Jede Zeitung (also auch diese) hat einen Redakteur für besondere Aufgaben und Themen: Papst, Pille, Kondome, Möllemann. Aber jede Redaktion hat einen Urlaubsplan. Unser Redakteur für Papst, Pille etc. befindet sich zur Zeit an einem warmen Ort, dessen genaue Lage wir den Lesern aus Gründen der christlichen Diskretion verschweigen wollen. Wir behelfen uns deshalb, um die Spalte „Das Letzte“ zu füllen, mit einem aktuellen Nachrichtenüberblick.

1. In seiner neuen Sozialenzyklika „Centesimus Annus“ hat Papst Johannes Paul II. die Klage eines 29jährigen Sozialhilfeempfängers auf Erhöhung seiner monatlichen Kondom-Pauschale mit der Begründung abgewiesen, dem Kläger stünden „neben dem vaginalen Verkehr noch andere Formen befriedigender sexueller Kontakte offen“. Der 29jährige hatte angegeben, er habe „im Durchschnitt l,7mal pro Tag Geschlechtsverkehr“ und komme deshalb mit der Monatsbeihilfe von 20 DM zum Kondomerwerb nicht zurecht. Der Papst vertrat hingegen die Ansicht, es sei durchaus ausreichend, „etwa 20mal im Monat mit seiner Freundin ohne Risiko einer Empfängnis geschlechtlich zu verkehren“.

2. In einem ähnlich gelagerten Fall entschied das Hamburger Oberverwaltungsgericht (OVG), ein „Kompromiß zwischen Marxismus und Christentum“ sei „gar nicht möglich“, rügte aber zugleich die „Enthemmung der Triebe“ und den „Drang zum unmittelbaren Genuß“, welche leider auch im nun sittlich gereinigten Osteuropa um sich griffen. Hier entstehe „eine Vernachlässigung der sittlichen und religiösen Dimension“, die bis hin „zur leider so weltweit verbreiteten Abtreibung“ gehe. Diese vernichte „die Quellen des Lebens“.

Wir wissen nicht, wen das Gericht mit den „Quellen des Lebens“ meint. Und wir wagen uns nicht vorzustellen, was der Papst unter „befriedigenden sexuellen Kontakten“ versteht. Aber wir ahnen, daß sich zwischen den Gebetsmühlen der Justiz und den enzyklischen Schwellungen des Papstes ein intimer kleiner Kontakt ereignet hat, sozusagen eine geistig-moralischerotische Reiberei. Und wir bitten unsere Leser, die Verwechslungen, die sich in unsere Beschreibung dieses Rendezvous womöglich eingeschlichen haben, nach bestem christlichem Wissen und Gewissen zu korrigieren. Schließlich passiert uns so etwas nicht oft. Höchstens l,7mal pro Tag. Finis