Lanzarote, im Mai

Einen Tag lang war Helmut Kohl mit seinem spanischen Gastgeber Felipe Gonzales durch die Kraterlandschaft von Lanzarote gefahren, hatte die braungetönten „Feuerberge“ der Kanaren-Insel besucht und in der Residenz „La Mareta“ auf den windumtosten Atlantik geblickt. Am Ende seiner stimmungsvollen Visite holten den Gast aus Bonn nicht nur die Querelen mit der Schwesterpartei CSU, sondern auch das Nachdenken über Deutschland wieder ein: Kohl plädierte in Spanien ungewöhnlich stark für ein ökonomisches Engagement in den fünf neuen Bundesländern.

Wie könnten sich Spaniens Unternehmer, die von einem enormen Aufschwung ausländischer Investitionen seit 1985 profitieren, engagieren? Bisher haben sich zwei der größten Baufirmen des Landes an Joint-venture-Geschäften in Zwickau und Magdeburg beteiligt. Das Bemühen eines nordspanischen Thunfischproduzenten um einen deutschen Partner an der Ostsee scheiterte vorerst an der Bürokratie: Allein fünf mögliche Vertragsfirmen meldeten dem spanischen Interessenten aus La Coruña Fehlanzeige, weil die Eigentumsverhältnisse noch nicht geklärt waren. Das Interesse jenseits der Pyrenäen an Geschäften in Ostdeutschland ist beträchtlich, weil auch Spaniens Exporte von der deutschen Vereinigung profitieren und allein 1990 um 23 Prozent zulegen konnten: Gefragt waren Kraftfahrzeuge, Güter der Elektrotechnik und erst danach Südfrüchte, Gemüse und Kräuter.

Warum aber fielen den werbenden Deutschen auf Lanzarote jene gemütlichen paradores nicht ins Auge, die behaglichen Gasthäuser, von denen es im ganzen Land inzwischen fast einhundert gibt? Soeben vereinbarte die spanische TRYP-Hotelkette mit Vertragspartnern aus Ungarn den Umbau alter Burgen, Schlösser und Gasthöfe in jene paradores. An den spanischen Ideen fehlt es nicht, um den Deutschen zwischen Ostsee und Thüringen zu helfen. Los alemdnes müßten nur, wie die pfiffigen Ungarn, den Blick über die Grenzen richten und kommen. Nach der KSZE-Konferenz im Juni in Berlin kommen erst einmal die Spanier: Fünfzig große Unternehmen sagten sich bei der Berliner Treuhand an, um die Möglichkeiten von Investitionen zu erkunden ... V. M.