Immer mehr Banken beruhigen mit zweifelhaften Ethikfonds das schlechte Gewissen ihrer Kunden

Von Udo Perina

Wenn es um Geld geht, dann ist die Moral schnell vergessen. Diese Erfahrung machen jetzt auch die Bürger der ehemaligen DDR. Im Januar reisten rund sechzig Ostdeutsche hoffnungsvoll nach Bielefeld, um dort auf einem Wochenendseminar zu lernen, wie man durch Geschäfte mit ethischem Anspruch reich werden kann. Sie hatten sich von Zeitungsinseraten locken lassen, die ihnen ein Supereinkommen ohne jegliche Vorkenntnisse versprachen. Klar war nur, daß es um den Verkauf von "ethischen" Finanzprodukten ging. Doch die hohen Gebühren für dieses und eine Reihe weiterer Seminare könnten für die Katz sein, befürchtet Finanzmarkt-Beobachter Heinz Gerlach. Die Veranstalter und ihre Firma Ethos zählen jedenfalls in der wöchentlichen Rubrik "Manipulateure, Scharlatane und Dilettanten" des bekannten gerlach-reports zu den Stammkunden.

Vom Ansatz her lagen die ostdeutschen Besucher des Seminars durchaus richtig. Der Handel mit ethischen Investments ist ein Wachstumsmarkt. Immer mehr Sparer und Anleger beginnen zu ahnen, daß ein Zusammenhang zwischen ihrem eigenen Geld und dem sozialen und ökologischen Elend auf der Welt bestehen könnte. Von Nachrichten über Kriege und Armut, über verseuchte Meere und sterbende Wälder sensibilisiert, suchen sie nach alternativen Möglichkeiten der Geldanlage.

Geschäfte mit "grünem" Geld

Gewiefte Finanzdienstleister haben diesen Gesinnungswandel längst erkannt und ihre Produktpalette entsprechend ergänzt oder ganz umgestellt. So verdienen sich die bundesweit aktiven Agenten der Vertriebsorganisation Concorde, angeführt von ihrem dynamischen Chef Eckard Nöh, ihre hohen Provisionen fast nur noch mit ausländischen Ethikfonds. Bis vor wenigen Jahren drehten sie unbedarften Kleinsparern noch stille Beteiligungen mit höchst umstrittenem Charakter an.

Doch nicht nur am grauen Kapitalmarkt blüht das Geschäft mit "grünem" Geld. Überall in Europa scheint sich die Finanzbranche auf Ethik und Öko einzustellen. In Belgien bietet die größte Sparkasse des Landes ein sogenanntes Krekelsparen an, bei dem ein Teil der Erträge für den Umweltschutz abgeführt wird. In Großbritannien ist bereits eine grüne Kreditkarte auf dem Markt, die bald auch auf dem Kontinent verbreitet werden soll. In Frankreich hat die Bank Paribas einen green Warrant aufgelegt, einen hochspekulativen, gedeckten Optionsschein, der zum Bezug von Aktien deutscher Unternehmen berechtigt, die in der Umwelttechnologie aktiv sind. Und auch deutsche Großbanken lassen nicht nur ihre Dienstwagen auf Katalysatoren umrüsten und ihre Bilanzen auf ungebleichtem Papier drucken – sie empfehlen auch gezielt den Kauf von Wertpapieren der Umweltschutzindustrie.