WASHINGTON. – Mehr als ein Jahr, nachdem Revolutionen die kommunistischen Regime in Ost- und Mitteleuropa gestürzt haben, verharrt das Verlagswesen der Region noch immer in seinen Ketten. Vierzig Jahre totalitärer Kontrolle, kombiniert mit der sich rapide ändernden wirtschaftlichen Landschaft, bedrohen die Zukunft dieser Industrie. Die einst vom Staat unterstützten Verlagshäuser brechen zusammen, die heroischen Untergrund-Verleger wissen nicht, wie sie genug Geld zum Leben verdienen können, und staatseigene Buchhändler schließen scharenweise, weil sie nicht wettbewerbsfähig sind.

In den fünfziger Jahren haben Polen, Rumänien, die Tschechoslowakei, Ungarn und Bulgarien versucht, das unabhängige Verlagswesen zu zerschlagen. Die technische Ausrüstung zur Buchproduktion und Papierfabriken wurden unter staatliche Kontrolle gestellt. Das Staatsmonopol auf Literaturagenturen, Vertriebsnetze, Postwesen und Import-Export-Firmen kontrollierte die gesamte Flut der gedruckten Information; das nationalisierte Finanzwesen machte jeden Verlag abhängig vom Staat.

Heute können die alten Satz- und Druckmaschinen den neuen Ansprüchen der Verbraucher nicht gerecht werden. Noch schlimmer, die Vertriebsnetze und der Buchhandel sind von Millionen unverkäuflicher Bücher paralysiert. Gesetze, die Copyright, Tantiemen und private Profite regeln, sind noch nicht wieder normalisiert. Staatliche Subventionen für Publikationen auf Gebieten wie Erziehung, Medizin und Rechtswesen sind drastisch gekürzt worden. In der Tschechoslowakei können es sich die beiden staatlichen Pädagogik-Verlage nicht leisten, neue Schulbücher für Geschichte und Ökonomie zu setzen und zu drucken. So können die alten, mit Lügen gefüllten Bücher nicht ersetzt werden.

Wirtschafts- und Währungsreformen, mit denen die Marktwirtschaft eingeführt werden sollte, treiben darüber hinaus viele Verleger und Buchhändler in den Bankrott. In der Tschechoslowakei sind sowohl die Zinsen und Devisenkurse als auch die Importzölle gestiegen. Die Papierpreise und Druckkosten werden bald um 100 bis 200 Prozent erhöht, genau wie die Kosten für Dienstleistungen.

Die örtlichen Verleger wissen nicht, wie sie ihr Geschäft neu strukturieren können. Letzten Winter, auf einer Prager Konferenz über das amerikanische Verlagswesen, bestürmten mehr als 300 tschechische und slowakische Verleger, Buchhändler, Literaturagenten und Schriftsteller die Redner mit grundlegenden Fragen: „Wie werden Tantiemen gezahlt?“ – „Was passiert mit unverkauften Büchern?“ – „Welche Bedeutung hat die Frankfurter Buchmesse?“

Die Abschaffung der Zensur, das Ziel so vieler westlicher Menschenrechts-Aktivisten, bedeutet wenig im Vergleich zu den Hürden, die das osteuropäische Verlagswesen noch überwinden muß.

Doch der Westen kann das ändern. Westliche Philanthropen, Verleger, Buchhändler und Regierungsstellen sollten zusammenarbeiten, um dem Buchhandel in diesen Ländern über die nächsten zwei oder drei Jahre zu helfen. Westliche Verleger sollten dem privaten Groß- und Einzelhandel in Osteuropa kostenlose oder verbilligte Exemplare zur Verfügung stellen. Sie sollten Copyrights spenden. Sie sollten ihr geschäftliches Know-how weitergeben. Auch werden dringend Referenzbücher, Periodika und Kataloge gebraucht. Westliche Firmen sollten mehr Drucktechnik und Computer bereitstellen.