Die Supernova 1987A, die vor vier Jahren in der Großen Magellanschen Wolke aufgetreten ist und hienieden einigen Wirbel verursacht hat, gibt den Astronomen neue Rätsel auf. Inzwischen ist das Licht des explodierten Sterns nämlich so weit abgeschwächt, daß sich dessen Überreste und seine nähere Umgebung genauer studieren lassen. Arlin Crotts von der New Yorker Columbia-Universität und Stephen Heathcote vom Interamerikanischen Cerro Tololo Observatorium in Chile haben den rasch wachsenden Ringnebel untersucht, der die Sternenleiche umgibt. Dieser Nebel entstand offenbar nicht durch die Explosion, sondern bereits in der Vorphase, als sich die sterbende Sonne aufblähte zu einem sogenannten Roten Riesen. Zum Erstaunen der Forscher bildet der Nebel keine Kugelschale, sondern tatsächlich einen Ring (Nature, Bd. 350, S. 683). Bereits wird mächtig spekuliert, warum der Rote Riese in seiner Agonie wie ein Raucher einen Ring gepafft hat und nicht, wie es sich für eine anständige Kugel gehört, einen sphärischen Nebel. Möglicherweise hat ein benachbarter Stern über seine Gravitationskraft mitgeholfen, der ursprünglich kugelförmigen Nebelhülle eine Ringstruktur zu verleihen.

Gesundheitsrisiken durch Smog hängen stark von der Jahreszeit ab, stellt Professor Michael Wagner im Bundesgesundheitsblatt (Nr. 4/91, S. 161) fest. Während im Winter vorwiegend Schwefel- und Stickoxide, deren Säuren, Staub sowie Kohlenmonoxid die Menschen belasten, bildet im Sommer Ozon das Hauptrisiko. Beim Wintersmog wirkten "stets gleichzeitig mehrere potente Schad- und Reizstoffe in annähernd gleicher Größenordnung" auf die Menschen ein und machten vorwiegend gesundheitlich Vorgeschädigten, etwa den Alten, Herz-Kreislauf-Kranken, Asthmatikern oder Bronchitikern zu schaffen. Da diese nur noch eine geringe Toleranz für weitere gesundheitliche Belastungen besitzen, kann es bei starken Smog-Episoden zu klinisch manifesten Erkrankungen kommen, die im Extremfall tödlich enden. Die winterlichen "Schadstoffkonzentrationen liegen viel näher an der Toxizitätsgrenze, als dies im Sommer mit Ozon der Fall ist", schreibt Wagner. Ozon hingegen mache sich vorwiegend dann negativ bemerkbar, wenn durch hohe körperliche Aktivität – etwa Joggen – auch große Luftmengen inhaliert werden, also eine hohe Gesamtdosis einwirken kann. Reizungen der Atemwege und Schleimhäute, Reduktion der Lungenfunktionen und der körperlichen Leistungsfähigkeit beträfen deshalb vorwiegend jene, die vital genug sind, über mehrere Stunden hinweg im Freien zu arbeiten, Sport zu treiben oder zu toben (Kinder). Falls Beeinträchtigungen bei hohen Ozonwerten auftreten, dann könne "durch Verhaltensänderung die Expositionsdosis entscheidend reduziert" werden. Eine solche Schutzmöglichkeit bestehe für die Risikogruppen im Winter nicht.

Rechenschwäche, auch Dyskalkulie genannt, ist ein recht verbreitetes Phänomen bei ansonsten normal begabten Kindern. Nach Angaben von Jens Holger Lorenz von der Forschungs- und Beratungsstelle für Dyskalkulie am Institut für Didaktik der Mathematik der Universität Bielefeld sind etwa sechs Prozent der Grundschüler in der Bundesrepublik davon betroffen. Die Rechenschwäche sei nicht, wie manche Psychologen annehmen, vorwiegend die Folge einer "minimalen cerebralen Dysfunktion" (MCD), einer nicht näher lokalisierbaren Schädigung des Gehirns, die bei einem Geburtstrauma infolge von Sauerstoffmangel auftreten kann. Lorenz hat mehr als 200 Kinder untersucht, die auffällige Minderleistungen im arithmetischen Bereich, aber nicht bei den sprachlichen Schulleistungen zeigen, und kommt zu dem Schluß, daß die wichtigste Ursache für das Auftreten von Dyskalkulie eine Störung der visuellen Anschauung sei (Forschung an der Universität Bielefeld, Nr. 3/91, S. 28).

Während eine MCD nur bei etwa jedem zehnten betroffenen Kind vorgelegen habe, kämpften rund achtzig Prozent der untersuchten Schüler mit großen Schwierigkeiten, Vorstellungsbilder zu erzeugen und zu manipulieren. Sie versagten häufig, wenn sie Längen oder Entfernungen schätzen sollen, könnten Handlungen nicht beschreiben, die sie selbst ausführen, aber nicht sehen – etwa mit den Händen unter einem Tuch –, oder es gelinge ihnen nicht, ein einfaches Vieleck (Polygon) nachzuzeichnen. Zusammen mit der einzigen weiteren universitären Beratungsstelle für Dyskalkulie in Göttingen werde derzeit ein Diagnosetest erarbeitet.

Allergiker sollten bei hartnäckigen Beschwerden auch ihr Aquarium beziehungsweise das Fischfutter unter die Lupe nehmen. Hauptursache für Schnupfen, Hautjucken und Atemnot können rote Mückenlarven sein, die in gefriergetrockneter Form ein verbreitetes Futter darstellen. Wissenschaftler des Berufsgenossenschaftlichen Forschungsinstituts für Arbeitsmedizin (BGFA) in Bochum und des Max-Planck-Instituts für Biochemie in Martinsried konnten den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) der Larven als allergieauslösenden Bestandteil identifizieren. Nach Angaben von Verena Lieber und Professor Xaver Baur kennt man sogar einzelne Molekülabschnitte des Hämoglobins, die von den menschlichen Immunzellen und Antikörpern erfaßt werden. Es sei bereits gelungen, an diesem Modellsystem für die Allergieentstehung einzelne Schritte des Reaktionsweges im Reagenzglas zu studieren. Nun soll geklärt werden, welche Strukturen des Allergens besonders gefährlich sind und welche Moleküle des Immunsystems aus dem Ruder laufen. Vom Verständnis der Abläufe verspricht man sich neue Wege zur Behandlung von Allergien.

Hans Schuh