Unsere Liebe kennt keine Grenzen, und nichts kann uns trennen. Und doch ist für mich als eine mit einem Deutschen verheiratete Französin nichts selbstverständlich. Die größte Schwierigkeit zu Beginn unseres gemeinsamen Lebensweges rührte von der typisch französischen Art zu schlafen her. Genauer: von der Art, sein Bett zu machen. Wie man sich bettet, so schläft man; wir lebten damals in Paris.

Ein französisches hat mit einem deutschen Bett sozusagen nichts gemein. Schläft ein Deutscher bei uns, fühlt er sich wie ein Gefangener: Von allen Seiten fest eingeschlossen, kann er seine Füße nicht bewegen, und Herumwälzen schafft schnell großes Chaos.

Anders das Problem für die Französin, die nach Deutschland kommt: Deutsche Betten besitzen weder lose Decken noch Bettücher, sondern eben Bettdecken, die längs der Bettkante nicht eingeschlagen werden. Bald hängen die Füße draußen in der nächtlichen Kälte. Da helfen nur die Arme des Mannes oder, reichlich banal, eine Wärmflasche.

Doch wie alles im Leben ist auch das deutsche Bett eine Sache der Gewöhnung. Nach einigen Ehe-Monaten schien mit die Bettdecke die ideale Lösung für den ruhigen Schlaf ebenso wie für die harmonische Ehe. In der Tat: Die Bettdecke ist warm und leicht, bei größerer Kälte läßt sie sich auch einrollen, die Füße haben sich bald daran gewöhnt.

Und das Wichtigste nicht zu vergessen: Beide haben ihre eigene Bettdecke, und so besteht nicht mehr bei der geringsten Bewegung des einen die Gefahr, daß der andere sich mitten in der Nacht bloßgelegt sieht wie mitunter im grand lit, wenn der andere Bettuch und Decke im Schlaf für sich allein beansprucht.

Der Gemeinsame Markt hat die Bettdecke schon in die französischen Bettengeschäfte gebracht. Wer sie ausprobiert hat, läßt nicht mehr von ihr. Doch die meisten meiner französischen Mitbürger werden ihre jahrhundertealten häuslichen Gewohnheiten kaum ändern, bien sur. Sich außerhalb der ausgetretenen Pfade in ein Abenteuer zu begeben, das liegt ihnen nicht. Schon gar nicht, wenn das Neue von der anderen Rheinseite stammt.

Schade. Zumindest die französischen Hausfrauen könnten nur profitieren davon. Ich denke an das Bettenmachen, die tägliche Bürde. Mit der Stoppuhr in der Hand haben wir die beiden Systeme verglichen. Ergebnis: Die Bettdecke schlägt die Bettücher.