Der Deutsche Aktienindex (Dax) bewegt sich zwar seit einiger Zeit in unmittelbarer Nähe seines bisherigen Jahreshöchststandes. Ein Durchbruch nach oben ist jedoch nicht in Sicht. Dazu fehlen die fundamentalen Voraussetzungen. Die Aussicht auf steigende Unternehmensgewinne im Jahre 1992 um nur fünf Prozent ist kein Anreiz, sich deshalb jetzt in deutschen Aktien zu engagieren.

Wenn es dennoch immer wieder zu Aktienkäufen kommt, ist dies allein der vor allem bei den institutionellen Anlegern vorhandenen Liquidität zu verdanken, die von Zeit zu Zeit eingesetzt wird, um am Aktienmarkt Zwischengewinne zu erzielen.

In den vergangenen Tagen haben sich auch Ausländer an diesem Spiel beteiligt, weil sie der Meinung waren, die von den USA ausgehende internationale Zinssenkung würde auch den deutschen Wertpapiermarkt erfassen. Dabei übersehen sie, daß Deutschland sich in einer ganz anderen konjunkturellen Situation befindet als die übrigen Industrieländer, in denen die Rezession immer spürbarer wird, während in Deutschland noch an den Kapazitätsgrenzen produziert wird und die Inflationsgefahren, besonders nach den letzten Tarifabschlüssen, zunehmen. Rentenexperten sehen deshalb die Rendite in Deutschland eher steigen als sinken. Von dieser Seite wird der Aktienmarkt daher kaum noch nennenswerte Anregungen erwarten können.

Immerhin haben aber von den irrigen Zinshoffnungen in jüngster Zeit die Aktien der Banken und Versicherungen profitiert. Aber nicht nur davon. Die meisten Banken weisen für die ersten Monate dieses Jahres gute Ergebnisse aus.

Der gestiegene Dollar hatte nur wenig Auswirkungen auf das den Umsätzen nach immer noch begrenzte Aktiengeschäft. Allenfalls ist darauf die zeitweise Kurserholung der Autowerte zurückzuführen. Das Interesse konzentriert sich bei ihnen mehr und mehr auf Daimler. Hauptsächlich wegen des erwarteten Erfolgs der neuen S-Klasse, die weltweit Aufmerksamkeit gefunden hat.

Gedämpft wurde der Optimismus gegenüber den Aktien der Großchemie durch den enttäuschenden Quartalsbericht der BASF, wonach in den ersten drei Monaten dieses Jahres der Ertrag gegenüber der Vergleichszeit des Vorjahres um rund 25 Prozent gesunken ist. Erwartungen, daß die Großchemie ihr Gewinntal schon hinter sich hat, sind nicht erfüllt worden. Dem nach wie vor guten Inlandsgeschäft stehen negative Ergebnisse im Ausland gegenüber. K.W.