Vom FDGB-Erholungsheim zum Ferienhotel

Von Tobias Gohlis

Keine Wehmut, nur ein knapper Blick zurück: „Ein Urlaub in Klink war eine kleine Kostbarkeit.“ Gerd Schröter denkt seit dem 1. April 1990, seit er Direktor des „Ferienhotels Klink“ an der Müritz wurde, jedoch fast nur noch in der anderen Richtung: voraus. Vieles hat sich geändert in diesem einen Jahr. Damals hieß das heutige Ferienhotel noch „Erholungszentrum Müritz, Objekt Klink“, gehörte der Fedi GmbH i. G., was Feriendienst GmbH in Gründung heißt, und alle Mitarbeiter, der neue Direktor voran, hatten große Pläne. Denn schon in DDR-Zeiten hatte das „Objekt Klink“ als Aushängeschild und Vorzeigemodell des gewerkschaftlichen Erholungswesens gegolten. Nun sollte der Aufschwung erst richtig beginnen. Schröter fühlte sich als Hotelkapitän und erklärte seinen Mitarbeitern: „Wir sind ein Schiff, das sticht in See, völlig überladen. Wir haben die Wahl, einige Leute einfach über Bord zu schmeißen, die können noch rettendes Ufer erreichen, einen neuen Arbeitsplatz bekommen, manche werden auch ertrinken, aber die meisten kommen in den rettenden Hafen. Aber wenn wir keinen über Bord schmeißen, säuft das ganze Schiff ab.“

Im November 1990 war das Schiff noch nicht abgesoffen. Unerschüttert stand der gewaltig aufragende zehngeschossige Betonklotz auf der winterbraunen Wiese, rundherum nur plattes Land. Ein paar an den Boden geduckte Nebengebäude betonten die Kolossalität der Bettenburg, die in Playa de las Americas oder Lloret de Mar kaum auffallen würde. Hier aber wirkte sie wie der betonierte Alptraum der Ulbricht-Devise vom Sozialismus, der den Kapitalismus überholen werde, ohne ihn einzuholen.

Aber wir waren glücklich. Wir hatten in der Kreisstadt Waren und Umgebung schon Stunden nach einer Unterkunft gesucht. Ohne den freundlichen Menschen, der uns nach Klink verwies, hätten wir das Hotel schwer gefunden: Es war in den damals existierenden Reiseführern nicht aufgeführt, obwohl es zwischen Berlin, Rostock und Schwerin das einzige große Hotel ist, das geöffnet hat und zudem einen akzeptablen Komfort zu angemessenen Preisen bietet.

Urlaubsglück wie bestellt

Als wir dann aus unserem Zimmerfenster im vierten Stock auf die riesige, graue Wasserfläche der Müritz blickten und später am Strand hinter dem Hotel spazierengingen, kam wie bestellt Urlaubsgefühl auf. Der See gluckste, aus dem mannshohen Schilf drangen die Laute unbekannter Wasservögel, und über uns zogen Wildgänse südwärts.