Immer mehr Hotelketten spekulieren auf das wachsende Umweltbewußtsein ihrer Gäste und setzen den Umweltschutz aktiv in der Werbung ein.

Umweltfibel statt Bibel, konkrete Ratschläge statt Gebet: In den Nachtschränken der Hotels von Ramada International liegen neuerdings hundertseitige Broschüren, die dazu beitragen sollen, das Überleben des Planeten Erde zu sichern. So verspricht es jedenfalls der Titel des englischsprachigen Büchleins. Keineswegs solle die Umweltbroschüre die Bibel oder den Koran ersetzen, winkt der Präsident der Ramada-Hotelgruppe, Bill Grau, ab. Doch betrachtet er es als glückliche Eingebung, daß sein Unternehmen den Schutz der Umwelt zum Thema einer weltweiten Marketingkampagne macht.

Dabei ging es Ramada International, wie der Hotelmanager unumwunden einräumt, lediglich um die Mitarbeitermotivation. Während sich die Mitarbeiter in Komitees zusammenfanden und sich bei Umweltaktionen in und um die Hotels engagieren, haben die Werbestrategen von den guten Taten die Nachricht des Unternehmens nach außen getragen. So war es den Häusern möglich, sich als „Hotels der Neuen Welle“ zu profilieren. Wer die Wahl habe, meint Grau, werde künftig in Hotels absteigen, die auf dem Sektor Umweltschutz die Nase vorn haben.

Noch trägt sich die Umweltkampagne nicht von selbst. Den Energieeinsparungen stehen höhere Kosten für umweltbewußte Produkte gegenüber. Allein die netten Kleinigkeiten, die im Bad für die Annehmlichkeit des Gastes herumliegen, sind, da nun recyclebar verpackt und von Schadstoffen befreit, um dreißig Prozent teurer. Zusammen mit American Express hat Ramada 100 000 Dollar an eine amerikanische Umweltschutzorganisation überwiesen. Bei jeder Zahlung mit Kreditkarte in einem Hotel der Kette floß über einen bestimmten Zeitraum automatisch ein Dollar an die Umweltschützer.

In einer vergleichbaren Aktion machen sich die afrikanischen Häuser von Sheraton stark für den Schutz bestimmter Projekte auf dem Schwarzen Kontinent. Anders als bei Ramada stellen es die Sheraton-Häuser dem Gast frei, einen Betrag zu spenden, und legen dann noch einmal die gleiche Summe drauf. Über achtzig Prozent der Gäste sollen zu einer Umweltabgabe bereit gewesen sein und innerhalb von sechs Monaten bereits 50 000 Dollar zusammengebracht haben. Das Geld wurde für den Erhalt bedrohter Tier- oder Pflanzenarten gespendet.

Andere internationale Ketten sind noch nicht soweit. Der Vizepräsident von Marriott, Robert B. Bloch, gesteht ein, daß die große US-Kette noch nicht „grün“ geworden sei. Nur die deutschen Mitglieder der Marriott-Familie machen mit beim Umwelt-Trend: Im Bremer Marriott-Hotel wird der Energieverbrauch elektronisch kontrolliert, wodurch jedes Jahr 21 000 Mark eingespart werden. Biologisch abbaubare Putzmittel und die Wiederverwertung von organischen Abfällen, die in Bremen, Hamburg und München von Landwirten zur Schweinemast abgeholt werden, gehören ebenfalls zum Programm.

Der Wettbewerber Hyatt will seine weltweit 55 000 Mitarbeiter in ein Recycling-Programm einbinden, das jährliche Einsparungen von drei Millionen Dollar bringen soll. Hyatt-Präsident Bernd Chorengel kündigt an, daß an Standorten, wo ein Recycling nicht möglich ist, zumindest Produkte aus wiederverwertbaren Stoffen eingekauft werden.