In seiner Erzählung „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ hat Peter Handke vorgeschlagen, man sollte einmal während eines Fußballspiels den Blick nur auf den Torwart richten.

TONI SCHUMACHER: Das wäre langweilig, denn man sieht ja nur eine Figur, die da steht. Man sieht nicht, was die denkt.

Was denken Sie, wenn Sie den Ball nicht haben?

SCHUMACHER: Ich schreie ununterbrochen. Wenn auf der anderen Seite ein Eckball gegeben wird, schreie ich, spiel kurz, spiel lang, weiter links, mehr zur Mitte, obwohl ich ganz genau weiß, es hört mich keiner. Das Schreien ist meine Art, mich auf hundert Prozent zu halten. Ich muß neunzig Minuten auf gleicher Höhe bleiben. Sinke ich ab, fehlen mir, wenn der Ball kommt, die entscheidenden fünf Prozent.

Sie schreien zur Vermeidung des Denkens.

SCHUMACHER: Ja, ich muß mich in Spannung halten. Anfangs habe ich das noch mit dem Kopf gesteuert. Ich habe gedacht, du mußt schreien, du mußt etwas tun, um nicht einzuschlafen. Heute habe ich es im Blut. Man kann das Schreien trainieren wie einen Ball, mit dem man Probleme hat. Im Training denke ich bei jedem Schuß nach. Im Spiel reagiere ich instinktiv. Ich bin das Raubtier, der Ball ist die Beute.

Der englische Verhaltensforscher Desmond Morris hat das Fußballspiel aus dem Jagdtrieb des Urmenschen abgeleitet.