DIE ZEIT

Herzschlag

Wenn das Herz des amerikanischen Präsidenten flattert, zittert die Nation. „Nur kluge und weitsichtige Athleten – eine kleine Riege“ – seien den Belastungen des Amtes gewachsen, behauptete einst Woodrow Wilson.

Verschrottet

Pershing II und SS-20 – diese beiden Typen von Mittelstreckenraketen symbolisierten den letzten Höhepunkt des Kalten Krieges.

Götzen des Marktes

Hat sich mit dem ruhmlosen Ende des Kommunismus auch der Traum vom "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" verflüchtigt? Selbstgefällige Festredner, die am Grab des Realsozialismus die Siegesfanfaren der alleinseligmachenden Marktwirtschaft blasen, lassen keinen Zweifel daran.

Die Lasten wachsen

Es steigen kräftig die Steuern, die Beiträge zur Sozialversicherung und nun auch die Löhne. Die deutsche Volkswirtschaft, die in den nächsten Jahren die Vereinigung zu bewältigen hat, mutet sich viel zu.

Ein Riß geht durch Deutschland

Ewig ist es die gleiche Melodie. Diese Nordlichter haben doch versagt... Ich bin die devote Haltung dieser Kameraden gegenüber der FDP jetzt einfach satt.

Zeitspiegel

Manfred Gerlach, heute einfaches FDP-Mitglied, muß sich derzeit Anträgen auf Parteiausschluß erwehren. Sein Kampf um den Status quo fällt ihm schwer, dazu saß der wohl prominenteste DDR-Liberale und persönliche Honecker-Freund zu lange in zu hohen Ämtern der realsozialistischen Diktatur.

KOLUMNE: Signal nach Osten

Soll Bonn Regierungssitz bleiben, oder soll Berlin es werden? Die Frage ist neu, kaum ein Jahr alt. Denn zuvor war klar: Die Hauptstadt Deutschlands war Berlin, und wenn Deutschland wieder existiert, wird Berlin wieder Hauptstadt sein.

Entscheiden muß die Politik

Die Verfassung kann kein Regierungsprogramm sein, sie bestimmt nur die Regeln für den demokratischen Meinungsstreit

Nach der Sturmflut: Ein Land geht unter

Acht Stunden lang wütete der Wirbelsturm im Südosten Bangladeschs mit einer Zerstörungskraft, die zehnmal größer war als die der Atombombe von Hiroshima.

Am Ende das Chaos

Bangladesch, ein hoffnungslos überbevölkertes und armes Land, zeigt der Welt auf dramatische Weise, wo die Grenzen des Wachstums liegen.

Ben Witter: Angetippt

Berlin ist schon immer eine großmäulige Baustelle gewesen, was mußte nicht ständig noch breiter und tiefer, schneller, höher und beispielhafter werden.

Wolfgang Ebert: Bayerische Schmankerln

Ein Frühstück wurde kürzlich dadurch berühmt, daß es nicht stattfand. Dazu offiziell eingeladen hatte Helmut Kohl die CSU-Herren Waigel und Streibl, doch kurzerhand wurden die beiden Bayern wieder ausgeladen, weil Kohl der Appetit auf dieses „Frühstück zu dritt“ vergangen war und er ein „Breakfast for one“ vorzog.

Die Spanier kommen

Einen Tag lang war Helmut Kohl mit seinem spanischen Gastgeber Felipe Gonzales durch die Kraterlandschaft von Lanzarote gefahren, hatte die braungetönten „Feuerberge“ der Kanaren-Insel besucht und in der Residenz „La Mareta“ auf den windumtosten Atlantik geblickt.

Bonner Bühne: Wie im richtigen Leben

Hans-Dietrich Genscher, so war kürzlich zu lesen, „äußerte sich in einem Gespräch mit einer Illustrierten, das vom Auswärtigen Amt verbreitet, aber dann nicht von der Zeitschrift veröffentlicht wurde .

Rückblick: Verhandlungen über Nordirland: Aller Anfang ist schwer

Nun reden sie also: Seit vergangener Woche wird in Belfast über die Zukunft Nordirlands verhandelt. Der britische Nordirlandminister Peter Brooke traf die Delegationen der nordirischen Parteien zu Einzelgesprächen, um sich Klarheit über Ablauf und Inhalt des mehrstufigen Verhandlungsprozesses zu verschaffen.

Weltbühne: Krieg und Frieden

Keiner kann gewinnen. Dies haben die Kombattanden im angolanischen Bürgerkrieg nun offenbar eingesehen. Sechzehn Jahre kämpften, zwei Jahre verhandelten sie.

Traumwandler im All

Probleme mit dem Shuttle, Mißwirtschaft, Zweifel am Sinn der bemannten Raumfahrt – die Nasa ist vom Symbol des Fortschritts zur nationalen Peinlichkeit geworden

Auf die Erde geholt

Als sich die Nasa-Pannen im vergangenen Jahr häuften, wurde es selbst dem sonst unbeirrbar optimistischen US-Vizepräsidenten Dan Quayle zuviel: Er setzte eine „unabhängige“ zwölfköpfige Kommission ein, die sich 120 Tage lang mit der Nasa, ihrer Arbeitsweise und ihrer Zielsetzung befassen sollte.

Mehr Kosten als Nutzen

Die europäische Raumfahrtagentur Esa, in der dreizehn Staaten zusammengeschlossen sind, hat 1987 drei langfristige Großprojekte beschlossen, die den deutschen Steuerzahler in den nächsten zehn Jahren etwa dreißig Milliarden Mark kosten werden: die Entwicklung der schubstarken Rakete Ariane 5, des Shuttle-ähnlichen Raumgleiters Hermes und der Raumstation Columbus.

Strickende Oberförster

„In der alten DDR wurde man nach Paragraph 249 wegen Arbeitslosigkeit bestraft und als Asozialer etikettiert. Heute trifft die Arbeitslosigkeit plötzlich Millionen.

Nordrhein- Westfalen: Verführte Männer

Kölns Homosexuelle haben Heimvorteil. Die vom Arbeitskreis Schwule Geschichte Kölns vorbereitete Ausstellung ",Verführte‘ Männer", eine Dokumentation über "Das Leben der Kölner Homosexuellen im Dritten Reich", setzt auf den Wiedererkennungseffekt.

Nordrhein- Westfalen: Ein Traum in grün

Wenn die roten Fahnen wehen, wird geschossen. In Schlangen, einem Nest im Lippischen, weiß das jedes Kind. Rotweiße Schlagbäume, Warntafeln und die Fahnen sind für die Menschen am Rande des riesigen Truppenübungsplatzes Senne ein Teil ihres Alltags – genau wie der Lärm.

Nummer eins beim Nehmen

Es ist Matthias Kleinen anzumerken, daß ihm solche Neugier unangenehm ist: Die Frage, wie viele Millionen Mark der größte deutsche Konzern Daimler-Benz jedes Jahr vom Staat bekommt, würde er – so scheint es – am liebsten ignorieren.

Korrektur mit Maß

Warum so grantelig? Nachdem ihr Tarifabschluß Sonntagnacht unter Dach und Fach war, konnten sich Walter Riester von der IG Metall und sein Kontrahent Dieter Hundt vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall nur mühsam ein Lächeln abringen.

Bonner Kulisse

Bundeswirtschaftsminister Jürgen Möllemann muß sich mit einer Erblast plagen, die ihm der langjährige Staatssekretär Otto Schlecht hinterlassen hat.

Deregulierung: Die Dosis muß stimmen

Für die Anhänger der reinen Lehre ist die Lösung einfach. „Mehr Markt schafft mehr Wohlstand“, propagierte schon vor Jahren der Kronberger Kreis, ein Zusammenschluß ordoliberaler Wirtschaftsprofessoren, den Abbau staatlicher Regeln.

Joachim Nawrocki:: Die Sechzig-Milliarden-Legende

Es kommt gewiß nicht alle Tage vor, daß eine SPD-Politikerin einen CSU-Minister munitioniert. Als Bundeskanzler Helmut Kohl sich dafür aussprach, den Regierungssitz in zehn bis fünfzehn Jahren nach Berlin zu verlegen, da erklärte Bundesfinanzminister Theo Waigel lakonisch, er hätte dafür kein Geld.

Handel mit China: Der Gulag als Devisenquelle

Die chinesische Regierung hat ihre politischen Gefangenen als Devisenquelle entdeckt. Gezielt werden Gefängnisse und Arbeitslager der Volksrepublik für die Produktion von Exportgütern genutzt.

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