Vorbild CNN – seit Anfang dieser Woche bringt "B5 aktuell" nichts als Nachrichten

Von Klemens Polatschek

Auf den ersten Blick könnte man den Leuten vom Bayerischen Rundfunk vorwerfen, jeder Mode hinterherzulaufen – nun, da sie einen 24-Stunden-Nachrichtensender gestartet haben. Rund um die Uhr Information: Das ist doch auch das Rezept des Fernsehsenders Cable News Network, kurz CNN, den Leute wie George Bush und Saddam Hussein als elektronischen Botschafter benutzten und die Generäle zur Desinformation. Obwohl die wenigsten deutschen Zuseher CNN empfangen konnten, wuchs sein Ruhm ins Mythische; nach Umfragen wünschte sich eine Mehrheit ein solches Nachrichtenprogramm auch hierzulande.

Als könnte er solche Kanäle auf Bestellung zusammenbasteln, bietet der Bayerische Rundfunk seit Beginn dieser Woche ein neues Nachrichtenprogramm an – allerdings nicht im Fernsehen, sondern im Radio. Seit Montagmorgen sendet die neue Welle B5 aktuell auf UKW und Mittelwelle, täglich von sechs Uhr früh bis Mitternacht, ohne Unterlaß die aktuellen News (so heißt das im Jargon). Es ist der erste öffentlich-rechtliche Nachrichtenkanal in der Bundesrepublik.

Die Idee zu B5 aktuell ist zwei Jahre alt. Damals sei, so geht die Sage, der bayerische Hörfunk-Programmdirekter Udo Reiter in Frankreich auf Urlaub gewesen und habe zufällig France Info gehört, einen 24-Stunden-Nachrichtensender in Paris – dessen Konzept wiederum aus den USA stammt, wo es seit den siebziger Jahren eine große Zahl regionaler und lokaler Newsradios gibt. Auch die Erfinder von CNN bedienten sich 1980 genau dieser Hörfunk-Erfahrungen.

Das Zeitraster, das sich dort bewährt hat, übernahmen die Bayern für ihr Programm: Jede volle Viertelstunde bei B5 aktuell beginnt mit einem Block der wichtigsten Meldungen. Es folgen Hintergrundberichte aus Politik, Wirtschaft, Kultur oder Sport. Börsen-, Wetter- und Verkehrsinformation füllen den Rest der Viertelstunde. Alle fünfzehn Minuten wiederholt sich der Reigen, aufgefrischt mit neuen Nachrichten.

Wann immer Hörer B5 aktuell einschalten, nach einer Viertelstunde sollen sie über die aktuellen Themen im Bilde sein – nach spätestens einer halben Stunde jedoch zu einem anderen Sender wechseln, um sich nicht bei den wiederholten Beiträgen zu langweilen. "Bei France Info gibt es allerdings Freaks, die zwei Stunden zuhören, um mitzukriegen, wie sich die Meldungen verändern – aber das sind Süchtige", erzählt der B5-Redaktionsleiter Wolfgang Aigner.