Ein Blutvergießen hört auf, ein anderes beginnt: Kriege in Afrika – ein mörderisches Nullsummenspiel?

Keiner kann gewinnen. Dies haben die Kombattanden im angolanischen Bürgerkrieg nun offenbar eingesehen. Sechzehn Jahre kämpften, zwei Jahre verhandelten sie. Ende Mai sollen die Waffen ruhen, soll ein unter den Auspizien der Ost-West-Entspannung archaisch anmutender Stellvertreterkrieg enden, in dem 300 000 Menschen umkamen. Sowjets und Kubaner haben die marxistische MPLA-Regierung alimentiert, die Unita-Rebellen hingen am Tropf der Amerikaner und der Südafrikaner. Das Umdenken in Pretoria, Washington und Moskau ebnete den Weg zum Frieden. Portugal, die ehemalige Kolonialmacht, führte die Kriegsgegner an den Verhandlungstisch. Den Durchbruch aber brachte erst die Wende in Luanda: Dort verkündete Präsident Eduardo dos Santos das Ende der Einparteienherrschaft und den Start in die Marktwirtschaft.

Im Herbst nächsten Jahres soll gewählt werden, frei und allgemein, so steht es im 1500 Seiten dicken Vertragswerk. Es fehlen freilich noch die Unterschriften beider Seiten. Jonas Savimbi, der Chef der Freischärler, läßt sich schon heute als künftiger Präsident Angolas feiern ...

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Jeder wird verlieren. Dies haben die Schwarzen in Südafrika offenbar noch nicht eingesehen. Die schweren Unruhen in den Townships drohen zum Bürgerkrieg zu eskalieren. In diesem Jahr starben bereits 600 Menschen bei den Scharmützeln zwischen dem linken African National Congress (ANC) und der rechten Inkatha-Partei. Es geht um die Vormacht im neuen Azania. Schon spielen Inkatha-Funktionäre mit dem Gedanken, Hunderttausende von Impis, Krieger vom Stamme der Zulu, in die unregierbaren Gettos zu schicken. Da wird an der Spirale der Gewalt gedreht, und vieles deutet darauf hin, daß weiße Terroristen und Geheimdienstler kräftig mitdrehen. Der Bruderkrieg kann ihnen nur recht sein – nach der Devise: Da seht ihr Blanken, was die Schwarzen mit der Freiheit anfangen.

Die historische Rede Präsident de Klerks, die Freilassung Mandelas, die Abschaffung der letzten Apartheid-Gesetze, der Dialog zwischen ANC-Führer Mandela und Inkatha-Chef Buthulezi – Optimisten sahen in Südafrika schon die goldene Zukunft heraufziehen. Kritik an den immer noch existierenden Unrechtsverhältnissen war verpönt, weil politisch angeblich unklug. Unterdessen mehren sich die pessimistischen Stimmen, und langsam setzt sich die Erkenntnis durch, daß politische Verhandlungen nicht gleichbedeutend sind mit gesellschaftlicher Versöhnung.

Eine Alternative zum Dialog gibt es nicht. Doch können Worte und Papiere die Triebkräfte des Ancien regime bändigen?