Dänemark muß sich immer mehr an die Verhältnisse in der Bundesrepublik anpassen

Von Wolfgang Zank

Ein deutscher Tourist fragt in einem dänischen Restaurant nach der Toilette. "Geradeaus und dann zweite Tür links. Da steht ‚Gentlemen‘ dran, aber lassen Sie sich dadurch nicht stören, gehen Sie ruhig rein."

Wie dieser Witz in einer dänischen Provinzzeitung zeigt, haben viele Dänen Probleme mit ihrem südlichen Nachbarn. Allein schon wegen seiner Größe weckt der Koloß Deutschland Unbehagen, und vor allem bei der älteren Generation sind die Narben aus Kriegs- und Besatzungszeit nicht verheilt. Deutsche gelten als humorlos, unfreundlich und unsensibel. Auch in Norwegen oder Schweden ist die Haltung gegenüber Deutschland eher kühl.

Doch trotz aller Vorbehalte vollzieht sich in Skandinavien eine langsame, aber stetige Anpassung an deutsche Verhältnisse. Dieser Prozeß ist nicht etwa Ausdruck einer bewußten Übernahme des "Modells Deutschland". Ihm liegt auch keine bewußte Missionsarbeit der Deutschen zugrunde; Deutschland hat schließlich nicht erst seit der Vereinigung genug mit den eigenen Problemen zu tun. Es sind vielmehr anonyme Kräfte wie Zinsen oder Wechselkurse, die Skandinavien schrittweise zur Anpassung zwingen. Diese Anpassung läßt sich bis in Details des Alltags hinein verfolgen, wie etwa Trinkgewohnheiten oder Wohnungsstandard. Mit Abstand am weitesten fortgeschritten ist diese Entwicklung in Dänemark, Deutschlands nördlichem Nachbarn.

Dänemarks Wirtschaft befand sich Anfang der achtziger Jahre in beträchtlichen Schwierigkeiten. Das kleine Land verfügte über praktisch keine eigenen Energiequellen und wurde deshalb von den beiden Ölpreisschocks 1973 und 1979 schwer getroffen. Die schon seit längerem leicht defizitäre Zahlungsbilanz rutschte tief in die roten Zahlen, die Auslandsschulden wuchsen rapide. Zusätzlich sorgten die großen westlichen Notenbanken für einen steilen Anstieg der Zinsen, so daß die Abzahlung der Auslandsschulden doppelt schwierig wurde. Auch im Staatshaushalt klaffte bald ein großes Loch.

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