Die prekäre Lage der europäischen Computerindustrie hat jüngst sogar die Brüsseler EG-Kommissare aufgeschreckt. In ihrem Papier zur Lage der High-Tech-Produzenten zeichnen sie ein düsteres Bild und schlagen „fünf Aktionsbereiche“ vor, um zu retten, was noch zu retten scheint. Unter anderem wollen sie die Nachfrage ankurbeln, die Technologie vorantreiben und die Ausbildung verbessern. Von Fördergeldern ist indes nicht die Rede. Kapital braucht die notleidende Branche allerdings am dringlichsten.

Die französische Groupe Bull, die im vergangenen Jahr einen Verlust von zwei Milliarden Mark verbuchte, kann sich wenigstens auf ihren Hauptaktionär, den Staat, verlassen. Für dieses wie für das nächste Jahr sind Finanzspritzen von jeweils rund 600 Millionen Mark geplant. Damit will Frankreichs Industrieminister Roger Fauroux verhindern, daß das Unternehmen „zu einer Marionette in der Hand der Japaner“ wird.

Er denkt dabei wohl an das Schicksal des britischen Computerbauers ICL, der bereits vom japanischen Giganten Fujitsu geschluckt wurde. Für Bull interessiert sich der fernöstliche Konkurrent NEC. Verbandelt sind die beiden Unternehmen schon längst über ihre Beteiligungen am US-Konzern Honeywell. Die Franzosen kontrollieren dort 85 Prozent des Kapitals, die Japaner halten den Rest.

Mit seinem Rettungsplan für Bull muß Fauroux allerdings noch eine entscheidende Hürde nehmen: Und die steht ausgerechnet in Brüssel. Beamte der EG-Kommission prüfen derzeit, ob es sich bei dem großzügigen Geldsegen des französischen Staates um betriebswirtschaftlich notwendige Investitionen oder gar um unzulässige Subventionen handelt, die den Wettbewerb empfindlich stören könnten. Einspruch gegen die Finanzspritze hatte deshalb ein Konkurrent erhoben: Und der heißt ICL.

Prominentester Arbeitsloser im Lande war bis Freitag vergangener Woche der ehemalige Wirtschaftsminister Helmut Haussmann. Nun hat er wieder einen Job. Auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz konnte er die frohe Botschaft verkünden: Haussmann steigt als Generalbevollmächtigter und Partner bei der Unternehmensberatung Gruber, Titze und Partner (GTB) ein.

Zuvor hatten sich etliche Gerüchte um den Spitzenpolitiker und seine berufliche Zukunft gerankt. Unter anderem soll Haussmann auch schon kurz vor dem Vertragsabschluß mit Roland Berger, einer anderen renommierten Beratungsgesellschaft, gestanden haben. Dem umsichtigen Personalberater Berger reichte allerdings die Berufserfahrung Haussmanns nicht aus, um ihn sofort als vollwertigen Partner aufzunehmen. Der Ex-Wirtschaftsminister hätte erst eine einjährige Lehre absolvieren müssen; Qualifizierungsjahr nennt man das in Beraterkreisen. Das wurde Haussmann am Ende dann aber wohl doch zu dumm.

Für die westdeutschen Lebensmittelhersteller geht die Zeit des großen Reibachs in den neuen Bundesländern offenbar schon wieder zu Ende. Walter Kittel, Staatssekretär im Bonner Landwirtschaftsministerium, vermutet jedenfalls, daß der Marktanteil einiger westlicher Waren im Osten noch in diesem Jahr kräftig sinken wird.