Für Trekker auf der Suche nach ausgefallenen Zielen gibt es jetzt in Marokko eine neue Route. Das Projekt soll die Existenz von Bergbauern sichern.

Den Namen des Weges, „Grande Traversée des Atlas Marocains“ (GTAM) – „Große Durchquerung der marokkanischen Atlasgebirge“, darf man nicht wörtlich nehmen, denn die Tour wird eben erst entwickelt. Die Pilotregion für die „große Durchquerung“ liegt in der Mitte des Hohen Atlas, etwa 150 Kilometer östlich des Djebel Toubkal, des mit 4165 Metern höchsten Berges Nordafrikas. Es ist eine Landschaft mit voralpinem Charakter, durchzogen von tiefen Tälern und Schluchten. Auf den terrassenförmigen Äckern der Berberdörfer, die oft nur auf Maultierpfaden zu erreichen sind, werden Mais, Gerste, Tomaten, Karotten, dazu Walnüsse und Mandeln angebaut.

Bergtourismus soll hier als Teil einer Regionalentwicklung gehandhabt werden nach dem Motto: Wenn Besucher kommen, entsteht eine Nachfrage nach Produkten der örtlichen Landwirtschaft und des Handwerks. Auf diese Weise sollen die Bauern mit der Zeit mehr verdienen können.

Die Planer wollen darauf achten, daß durch den Tourismus keine negativen Folgen für Landschaft und Kultur entstehen. Französische Experten des „Touristischen Forschungs- und Ausbildungszentrums“ in Briançon leiten die Marokkaner an. Die Ähnlichkeit mit der französischen (oder italienischen) „Grande Traversée des Alpes“, die in Nord-Süd-Richtung die Alpen durchzieht, ist nicht zufällig, wenngleich das marokkanische Projekt noch am Anfang steht. Die Pfade beispielsweise sind bisher erst auf der Karte markiert, am Ort muß man sich selbst orientieren. Die Route wurde so gewählt^ daß sich dort eine vernünftige Infrastruktur entwickeln läßt. Bauernhäuser sollen zu Etappenunterkünften ausgebaut werden.

Außer auf die Einrichtung solcher gîtes d’etape in den Dörfern konzentriert sich das Programm auf die Ausbildung einheimischer Bergführer in dem Marktdorf Tabannt. Dort wurde Mitte der achtziger Jahre das „Ausbildungszentrum für Gebirgsberufe“ eingerichtet. Junge Bergbauern werden zu accompagnateurs de montagne geschult (1990 waren es immerhin 117), damit sie die Trekker durch das kaum erschlossene Gebirge führen und für sie die Kontakte zur Bevölkerung herstellen können.

Der engagierte Berber Brahim Moudoud, Leiter des Fremdenverkehrsamtes von Azilal am Fuß des Atlas, meint, der Schutz der marokkanischen Bergwelt sei mindestens so wichtig wie ihre Erschließung. Man müsse die Touristen anhalten, pfleglich mit der Natur umzugehen. Damit kommt auf die accompagnateurs de montagne die schwierige Aufgabe zu, neben ihrer Funktion als Übersetzer auch zwischen gegensätzlichen Interessen zu vermitteln.

Die „vorbeugenden Maßnahmen“ sind verständlich. Die Touristenzentren Marokkos sind bekannt für ihre aufdringlichen Fremdenführer und penetrant bettelnden Kinder. In den Bergtälern des Hohen Atlas sollen sich diese Mißstände möglichst nicht wiederholen.

Auskunft: Marokkanisches Fremdenverkehrsamt, Graf-Adolf-Straße 59, 4000 Düsseldorf 1, Tel. 0211/37 05 51. Patrick Brauns