Börsenspiel

Von Reinhold Rombach

Dollar-Depots sind nicht jedermanns Sache. Für Nervenschwache empfehlen sie sich gar nicht. Bis vor zehn Tagen schien der Greenback, ausgelöst durch den erfolgreichen militärischen Abschluß des Golfkrieges, immer höher zu steigen. Mit atemberaubender Geschwindigkeit legte die ehemals verschmähte US-Valuta zu, und das Überspringen der Hürde von 1,80 Mark erschien manchen Spekulanten nur noch eine Frage von Tagen.

Doch am Dienstag vor einer Woche stoppte die US-Notenbank jäh den Höhenflug. Mit der Senkung des Diskontsatzes auf 5,5 Prozent verlor der Dollar binnen Stunden an Boden und näherte sich wieder 1,70 Mark. „Um meine Werte habe ich angesichts der Dollar-Schwäche schon etwas gebangt“, meint Hedda Bühner vom US-Brokerhaus Prudential Bache zu ihrem ausschließlich mit amerikanischen Aktien bestückten Depot. Vorerst allerdings sollten sich die Ängste in Grenzen halten. Die Aktienexpertin hatte nämlich ein so gutes Gewinnpolster, daß sie auch jetzt noch mit einem Vermögenszuwachs um 23 860 Mark glänzend dasteht. Nach Meinung der Münchnerin konnte die US-Notenbank gar nichts anderes tun, als die Zinsen zu senken, weil die jüngst bekanntgegebenen Daten – Firmenaufträge und Bruttosozialprodukt jeweils minus 2,8 Prozent – ein Andauern der Rezession signalisierten.

Seine anfängliche Schwäche hatte der Dollar jedenfalls rasch wieder überwunden. Hedda Bühner rechnet damit, daß der US-Dollar wieder auf die Beine kommt und recht stabil bleibt, was widerum hülfe, die Inflationsrate niedrig zu halten. „Sollte dieses Szenario zutreffen, dann müßte der Dow Jones bis zum Jahresende noch ein Kurspotential von gut zehn Prozent haben“, meint die Amerika-Kennerin. In ihrem Depot entwickelte sich neben Philip Morris bislang National Intergroup mit einem Kursgewinn von 54,04 Prozent ganz vorzüglich. Wie von Hedda Bühner prognostiziert, verkaufte National Intergroup ihre Öl-Division Persian Partners an Ashland Oil und könnte dafür die Aktionäre aus dem Verkaufserlös mit einer Sonderdividende belohnen. Beschlossen ist allerdings noch nichts.

Ob indes die Investitionsentscheidung für General Motors richtig war, ist im Moment sehr fraglich. Alle drei großen US-Automobilkonzerne weisen hohe Verluste aus, und es ist noch nicht abzusehen, wann die Branche aus einer ihrer schwersten Krisen herauskommen wird. General Motors, der weltweit größte Autokonzern, mußte im ersten Quartal dieses Jahres einen Betriebsverlust von 1,1 Milliarden Dollar hinnehmen, der nur duch den Verkauf eines Büroturms in Manhattan auf 376,5 Millionen Dollar verringert werden konnte.

Die Misere ist nicht allein auf die konjunkturelle Flaute zurückzuführen, sondern auf strukturelle Schwächen in der gesamten Branche. Hohe Überkapazitäten blieben jahrelang unbeachtet und the big three, General Motors, Ford und Chrysler, ignorierten die technischen Vorsprünge der Japaner. Es mutet schon seltsam an, wenn trotz dieses Siechtums einer amerikanischen Schlüsselbranche der Dow Jones Industrial Index neue historische Hochstände feiert. Auch eine Form des Galgenhumors.