Die Engländer mißtrauen den Versprechen ihrer Regierung, der Aufschwung stünde unmittelbar bevor

Von Wilfried Kratz

Die wirtschaftliche Erholung "ist gerade um die Ecke", glaubt Finanzminister Norman Lamont und teilte seine optimistische Ahnung wenige Tage vor den wichtigen Kommunalwahlen der Nation mit. Die Wähler blieben gleichwohl ungläubig und fügten der konservativen Regierung John Major eine schwere Schlappe zu. Sie lesen täglich in den Zeitungen, daß Fabriken schließen und Menschen entlassen werden. Deshalb geben sie ihr Vertrauen nicht einer Partei, die zwar Kompetenz gerade in der Steuerung der Wirtschaft beansprucht, aber nach einer Herrschaft von fast zwölf Jahren immer noch mit den alten Problemen des Stop-and-go ringt.

Die Rezession hat bisher nicht das Ausmaß des schweren Einbruchs von 1979 bis 1982 erreicht. Damals begann Margaret Thatcher mit ihren strukturellen Reformen und führte das Land in eine Sanierungskrise. Hohe Zinsen und ein von Thatcher-Faktor und Nordseeöl hochgejagter Pfundkurs stürzten die Insel in eine tiefe Rezession. Das Sozialprodukt sank um über fünf Prozent, und die Arbeitslosigkeit verdoppelte sich auf schließlich über drei Millionen – eine Quote von mehr als zwölf Prozent. Sehnig, muskulös und erfüllt von neuer unternehmerischer Energie sollte die Wirtschaft aus dem "monetaristischen Experiment" hervorgehen und der Welt eine Lektion in den Vorzügen des Thatcherismus erteilen.

Alarmierende Meldungen

Der lange Aufschwung aus dem tiefen Tal endete jedoch in Konsumexzessen, welche ein Anziehen der Kreditzügel erzwangen. Im Sommer des vergangenen Jahres kam der Boom zum Stillstand, als die bis auf fünfzehn Prozent erhöhten Zinsen schließlich zu wirken begannen. Seitdem geht es bergab. Pessimismus breitet sich aus. Die Konsumenten sind in Käuferstreik getreten. Und die Unternehmer streichen oder verschieben Investitionen.

Kaum jemand außer den Konkursverwaltern bleibt von der Rezession verschont. Im ersten Quartal sank der Absatz von Lastkraftwagen um ein Drittel. Die Hersteller von Personenwagen verzeichneten ein Minus von "nur" einem Fünftel. Nobelmarken wurden ganz besonders verschmäht. Jaguar, inzwischen Teil des Ford-Konzerns, sah seinen Inlandsabsatz auf 2100 Limousinen fast halbiert und kürzte die Produktion um über die Hälfte.