Pershing II und SS-20 – diese beiden Typen von Mittelstreckenraketen symbolisierten den letzten Höhepunkt des Kalten Krieges. Fast zehn Jahre lang standen sie im Mittelpunkt des Ost-West-Konflikts. Zugleich entzündete sich Ende der siebziger Jahre an ihnen hierzulande ein erbitterter innenpolitischer Streit.

Anfang dieser Woche wurde in Tucson im US-Bundesstaat Arizona die letzte Pershing zerstört, vorige Woche in der Sowjetunion die letzte SS-20 vernichtet. Auch das ist nicht ohne Symbolik: Wir leben in einer veränderten Welt. Der Warschauer Pakt hat sich als Militärorganisation aufgelöst; die Bedrohung von ehedem ist verschwunden; das Rasseln mit Raketen ist aus der Mode gekommen. Das Teufelszeug ist nicht mehr nötig.

Leonid Breschnjew wollte Westeuropa mit seinen SS-20 gefügig machen. Die Pershing war die Antwort auf seinen Einschüchterungsversuch – militärisch überflüssig, aber politisch als Ausweis westlicher Willensstärke wohl unumgänglich. Gorbatschow korrigierte seinen Vorgänger, ließ sich auf die Verhandlungsoption ein, die Bundeskanzler Schmidt in den Doppelbeschluß eingefügt hatte, und baute die Drohkulisse wieder ab.

Aber die strategischen Kernwaffenarsenale der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sind so vollgestopft wie eh und je. Der Erfolg der Mittelstrecken-Abrüstung sollte beiden Mächten ein Ansporn sein, auch in den Start-Verhandlungen endlich voranzukommen. TH. S.