Celle

Seine Schüler schätzen Dierk Dierking als einen Schuldirektor, „der fair ist und sich immer für unsere Belange eingesetzt hat“. Kollegen loben den „produktiven Schulgestalter“ für seine „innovativen Vorschläge“. Sich selbst hält der 47jährige für einen Mann, der sein „Bedürfnis nach Harmonie ganz bewußt zurückstellt, wenn es darum geht, zu sachgerechten Lösungen zu kommen“.

Sein Engagement und seine Durchsetzungskraft haben dem Oberstudiendirektor der Berufsbildenden Schulen III im niedersächsischen Celle nicht nur Anerkennung eingebracht, sondern auch massiven Ärger: Die Bezirksregierung in Lüneburg belegte ihn mit einem Amtsverbot und leitete gegen den Pädagogen ein Disziplinarverfahren ein.

Anlaß für Dierkings vorläufigen Rausschmiß sei dessen Selbstherrlichkeit gewesen, sagt Kreisdezernent Probst. Gegen den Willen der Bezirksregierung habe er an seiner Schule einen Bildungsgang eingerichtet, für den kein Bedarf bestehe, die „Zweijährige Berufsfachschule Sozialpflege“.

Der Fall stört seit Wochen die beschauliche Ruhe in Celle. In Leserbriefen protestierten Dierking-Sympathisanten gegen das Amtsverbot, Schülerinnen sammelten in der Stadt Unterschriften für die Wiedereinsetzung des Direktors. Hintergrund dieser Auseinandersetzung ist ein Problem, das bundesweit Bürger und Politiker beschäftigt: der Pflegenotstand in Krankenhäusern, Altenheimen und sozialen Einrichtungen.

Es fehlt nicht nur an Personal, es mangelt auch an dessen Ausbildung. Um diesem Mißstand zu begegnen, wurde 1988 an Dierkings Berufsbildender Schule die „Einjährige Berufsfachschule Sozialpflege“ für Realschulabgänger entwickelt – mit großem Erfolg. Über 1500 Schüler werden mittlerweile an 52 Schulen überall in Niedersachsen nach diesem Modell ausgebildet.

Die guten Erfahrungen ermutigen Dierking und einige Kollegen, eine zweijährige Sozialpflegeausbildung auch für Hauptschüler zu planen. Viele Hauptschüler zieht es zu den Heil- und Pflegeberufen. Ohne eine spezielle Förderung haben sie aber kaum eine Chance, einen Job zu finden, denn Krankenpfleger kann nur werden, wer die Mittlere Reife hat.