Fast ein Ausländer

Einheit und Einheit sind zweierlei. Wer Einheitstaumel und Realität vergleicht, macht nicht nur rein ökonomisch manche Differenz aus. Die Ost-Universitäten kämpfen gegen die Abwicklung; zu lange waren sie vom SED-Staat eingewickelt worden. Die West-Unis aber werden nun zum Auffangbecken für Studierende aus dem Osten. Und haben damit ihre Probleme. Nein, nicht aufgrund der steigenden Studentenzahlen. Sondern?

Auf dem Weg vom Nationaltaumel zur Einheitsraserei kommt die Verwaltungsmaschinerie der Universitäten nicht mehr mit. In den Köpfen ist die DDR zwar passé. Nicht aber auf den Formularen. So kam es, daß Frank, deutscher Studienortwechsler aus Thüringen, bei seiner Immatrikulation an der Erlanger Friedrich-August-Universität als Nicht-Bundesdeutscher eingestuft wurde.

Als er für die verschlüsselte Angabe seines Herkunftslandes unter den aufgelisteten Code-Nummern nur die alten Bundesländer fand, mußte er die „99“ für „nicht Bundesrepublik Deutschland“ eintragen. So schnell wird man Ausländer.

Das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung hatte es versäumt, rechtzeitig die neuen Bundesländer in die Einschreibungsanträge aufzunehmen. Erst im November 1990, so ein Verantwortlicher der Erlanger Uni-Verwaltung, „kam eine Anweisung zum Verfahren der Erfassung der neuen Bundesländer“. Außerdem könne man „die alten Formulare nicht einfach vernichten, dafür sind sie viel zu teuer“. Wofür auch Neu-Ausländer Frank Verständnis zeigt: „Ein kleines Malheur im auch nicht perfekten Westen.“

Asche zu Asche

Kaum ist Aki Kaurismäkis poetisches Filmkunstwerk „Das Mädchen aus der Streichholzfabrik“ an uns vorbeigezogen, meldet sich die Wirklichkeit zurück. In Gestalt einer Pressemitteilung der Firma KM Zündholz International, Meckesheim. Ihr ist nämlich gelungen, eine Rezeptur zu erfinden, „die das alte Streichholz frei von krebserzeugenden und mutagenen Stoffen macht“.

Und es kommt noch besser: „Mindestens ebenso wichtig aber ist es, angesichts des Müll-Notstandes, vor dem wir in der Bundesrepublik laut Herrn Toepfer stehen, auch kleinere Objekte dem Verbraucher bewußt zu machen. (z.B. nicht recyclefähigen, nicht verrottbaren Müll von ca. 30 Hochhäusern à 25 Stock, den das Konkurrenzprodukt Wegwerffeuerzeug Jahr für Jahr produziert.) 30 Hochhäuser sind kein Pappenstiel.“ Wer möchte da nicht zustimmen: Wegwerffeuerzeug, du bist ausgebrannt. Asche zu Asche. R.I.P.