Das Lächeln ist der Schnurrbart der Seele.

Die Güte: Milchtropfen, der aus der marmornen

Brust der Schönheit hervortritt.

Die Häßlichkeit ist der Arsch der Schönheit.

Ein seltsames Gefühl ist in der Welt der Poesie entstanden: das Verzagen; ihr gegenüber die vielschreiberische Kühnheit des Romanciers. Angst vor der Vollendung, Schrecken vor dem zu vollendenden Meisterwerk ... Wir, die neuen Dichter, sind mehr oder weniger alle Ritter der Furchtsamkeit.

Aphorismen des jungen Schriftstellers Saint-Pol-Roux (1861 bis 1940), übersetzt und veröffentlicht von Joachim Schultz im eben erschienenen Heft (2/91) der Zeitschrift „Akzente“. Es gehört zur Tragik dieses Autors, dessen Werke (bisher fünf Bände) im Verlag Rolf A. Burkart, Berlin, erscheinen, daß er, dem seine Landsleute die Verbindung zu deutscher Romantik und Philosophie vorgeworfen haben, durch deutsche Besatzer tödliche Verletzungen erlitt: In der Nacht vom 23. auf den 24. Juni 1940 überfällt ein deutscher Soldat das Haus des Dichters, tötet die Haushälterin und vergewaltigt die Tochter. Der fast achtzigjährige Dichter stirbt kurz danach in Brest. Sein von deutschen Soldaten geplündertes Landhaus ist noch heute eine Ruine. Welche Gelegenheit für die Nation der Besatzer von einst, den Bau zu sanieren – als Gedenkstätte für diesen Dichter.

Jerzy Kosinski