Nichts dazugelernt

Manfred Gerlach, heute einfaches FDP-Mitglied, muß sich derzeit Anträgen auf Parteiausschluß erwehren. Sein Kampf um den Status quo fällt ihm schwer, dazu saß der wohl prominenteste DDR-Liberale und persönliche Honecker-Freund zu lange in zu hohen Ämtern der realsozialistischen Diktatur. 22 Jahre lang war er Blockpartei-Vorsitzender, von 1960 bis 1989 stellvertretender, nach der Wende sogar kurz amtierender Staatsratsvorsitzender. Zu wirklichem Einfluß, will Gerlach nun glauben machen, habe dies alles aber nicht gereicht. So wies der Wendehals auf einer Ostberliner Parteiversammlung, wo er vergangene Woche aus seinen „sehr subjektiven“ Memoiren vorlas, denn auch kritische Fragen nach Scham und Schießbefehl zurück: „Schuldig sind diejenigen, die dieses System errichtet haben, diejenigen, die die Macht gehabt und den Mauerbau verfügt haben.“ Bei so wenig Einsicht mag – „ganz subjektiv“ – sogar die persönliche Bilanz des 63jährigen Politikers stimmen: „Ich habe nie in meinem Leben jemandem bewußt einen Schaden zugefügt. Wer das sagt, lügt.“

Krieg der Witwen

Nichts wäre der philippinischen Präsidentin Corazon Aquino verhaßter als eine Rückkehr der Marcos-Witwe Imelda. Der vor zwei Jahren gestorbene Diktator Ferdinand Marcos und seine Frau sollen hinter dem Mordkomplott gestanden haben, dem ihr Ehemann Benigno, damals der prominenteste Exil-Politiker, 1983 bei seiner Ankunft auf dem Flughafen von Manila zum Opfer fiel. Das Gelöbnis, die vom habgierigen Präsidenten-Ehepaar ins Ausland geschafften Milliarden aus der Staatskasse wiederzuerlangen, könnte ihr jetzt ein unwillkommenes Wiedersehen mit Imelda Marcos bescheren. Denn die Schweizer Banken, so entschied der eidgenössische Gerichtshof, dürfen 350 Millionen eingefrorene Marcos-Dollar nur herausrücken, wenn gegen die persönlich anwesende Witwe in ihrer Heimat zuvor Anklage erhoben wurde. Imelda Marcos aber verspricht sich von ihrer Rückkehr auf die Philippinen ein politisches Comeback. „Wenn das Volk es wünscht“, würde sie bei den Präsidentschaftswahlen im Mai nächsten Jahres gegen Corazon Aquino antreten. Bei den Filipinos macht deshalb bereits das Wort vom „Krieg der Witwen“ die Runde.

Mitterrand-Litho

In der vorigen Ausgabe der ZEIT (Nr. 19) hieß es irrtümlich, im Büro von Bundeskanzler Kohl hänge eine Mitterrand-Skizze des ostdeutschen Malers Bernhard Heisig. Tatsächlich ist es eine Lithographie von dem Rhöndorfer Maler Ernst Günter Hansing, die als Studie für ein Gemälde des französischen Staatspräsidenten dienen soll. Für die Arbeit am Mitterrand-Portrait ist Hansing zur Zeit öfters Gast im Elysée-Palast. Dabei sprechen der Maler und der Präsident, erzählte Hansing dem Kölner Stadtanzeiger, über „Go.tt und die Welt“. So vertraute Mitterrand ihm an, er verstehe nicht, warum Berlin unbedingt deutsche Hauptstadt sein müsse. Helmut Kohl hat sich inzwischen festgelegt. Wenn der Bundestag ihm folgt, dürfte auch das Mitterrand-Portrait mit nach Berlin umziehen. Hängt es künftig im Kronprinzenpalais?