Diesem unmöglichen Paar wurde die Scheidung schon in den Ehevertrag geschrieben. Seit Präsident François Mitterrand und Ministerpräsident Michel Rocard die französischen Staatsgeschäfte bestimmen, lauern die Kommentatoren auf den großen Krach.

Mitterrand ist ein komme de lettres, Freund der Literaten und Architekten; Rocard ist ein komme de chiffres, ein ökonomischer, technokratischer Kopf. Mitterrand hielt Rocard einst dessen angebliche Unkultur vor, Rocard schlug mit dem Vorwurf der Inkompetenz zurück.

Seit 1988 dämpfte die Macht ihre Haßliebe, am Ende mochte mancher Beobachter schon an wechselseitige Hochachtung glauben ...

Doch jetzt hat Rocard seine Schuldigkeit getan und soll gehen. Der Trubel von Mitterrands zehntem Amtsjubiläum war kaum verhallt, da drang auch schon intrigantes Flüstern aus dem Elysée-Palast: Der Präsident wolle sich von seinem Regierungschef trennen.

Einen Anlaß gibt es nicht, und genau darum schien der Augenblick günstig. Rocards Abgang könne, so ließen Dienstagabend die grauen Eminenzen die Hofberichterstatter wissen, jetzt ohne Getöse erfolgen. Weder Mitterrand noch der Ministerpräsident würden dabei Schaden nehmen.

Beider Popularität hat in diesen Wochen gelitten. Golfkrieg und Amtsjubiläum übertönten nur kurz, daß sich die Minderheitsregierung Rocard kurzatmig von Kampfabstimmung zu Kampfabstimmung, von Reform zu Reförmchen hangelte. Das aber trübt das Image des Präsidenten, der bei den Parlamentswahlen in zwei Jahren womöglich einer rechten Mehrheit gegenüberstehen wird. Und es schadet Rocard, der 1995 Mitterrands Nachfolger werden will. Dafür regierte Rocard drei Jahre still und brav im Schatten Mitterrands, ein diskreter Kronprinz unterm Sonnenkönig der Republik. van