Der erfolgreiche Molkereibesitzer ist in seiner schwäbischen Heimat umstritten

Von Klaus Wittmann

Als die deutsche Fußballnationalmannschaft 1988 trällerte: "Müller-Milch, Müller-Milch, die schmeckt", spätestens da mußte jedem klar sein: Milchreis und Buttermilch, Kefir und Sahne-Dickmilch aus dem schwäbischen Aretsried müssen einfach gut sein.

Wer’s freilich immer noch nicht glauben mochte, daß er an den Produkten der einstigen Kleinmolkerei aus Mittelschwaben, die in neunzig Prozent aller bundesdeutschen Lebensmittelmärkte präsent ist, nicht mehr vorbeikommt, der brauchte nur noch ins Werbefernsehen zu schauen, wo selbst TV-Prominenz wie Dallas-Ekel J.R. und Harald Juhnke sowie Tennisstar Boris Becker sich für Müller-Produkte schlugen.

Die Firmengeschichte stellt jede amerikanische Tellerwäscher-Saga in den Schatten: 1970 übernahm der Molkereimeister Theo Müller den väterlichen Vier-Mann-Betrieb, gelegen im damals noch idyllischen 260-Seelen-Dorf Aretsried bei Augsburg. Schon vier Jahre später war der Betrieb auf zwanzig Mann angewachsen. Damals stieg Müller in die Fernsehwerbung ein: Eine Kuh muhte "Müller". Gerade war nämlich ein neues Verfahren entwickelt worden, das Buttermilch drei Wochen haltbar machte und damit die Voraussetzung für eine bundesweite Vermarktung schuf.

Mit Ausnahme des Jahres 1977 verläuft die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens seither steil nach oben. So verkaufte der zur industriellen Großmolkerei ausgebaute Betrieb 1989 an die 726 Millionen Becher, der Umsatz kletterte auf 508 Millionen Mark, die Zahl der Beschäftigten stieg auf knapp 1000. 207 000 Tonnen Milch wurden verarbeitet. 914 Milchbauern sind Müller-Zulieferer. Immer mehr Milch muß zugekauft werden, sogar aus Belgien und Holland. Denn trotz aller Bemühungen lassen sich nicht alle umliegenden Bauern aus der schlechter bezahlenden Genossenschaft herauskaufen. Sie fürchten die Abhängigkeit von Müller.

Wer heute den Berg nach Aretsried hinauffährt, sieht noch vor dem Ortsschild die Wegweiser zu den verschiedenen Müller-Firmenbereichen, und auf der Wiese oben am Hang taucht eine riesige Baustelle auf, die einer großen Flugzeughalle gleicht. Hier entsteht das Becherwerk II.