Köln

Unter vielen Ausländern herrschen hier Angst, Furcht und Verwirrung. Warum? Die Leiter der Kölner Realschulen haben beschlossen, von sofort an keine ausländischen Kinder mehr aufzunehmen.

„Die Eltern sind von diesem Beschluß völlig überrascht worden“, berichtet die Gewerkschafterin Hildegard Merten. „Sie dachten, die Atmosphäre habe sich in den letzten Jahren entspannt, und nun müssen sie fürchten, es gehe schon wieder gegen sie.“ Wie die Lehrergewerkschaft, so verlangte auch der Kölner „Ausländerbeirat“, in dem sich Vertreter der ausländischen Mitbürger mit den Mitgliedern des Kommunalparlaments beraten, die Rücknahme des Beschlusses.

Unter denjenigen, die sich vehement gegen den Ausländerstopp wandten, war aber auch der Regierungspräsident, der die Aufsicht über die Schulen führt. Er habe die Schulleiter „an ihre Pflicht erinnert, ohne Rücksicht auf die Nationalität Schüler aufzunehmen“, hieß es. Die Kompetenz, ein Kind abzulehnen, stünde den Schulen ohnehin nicht zu.

Man täte den Lehrern allerdings unrecht, würde man sie pauschal des Fremdenhasses verdächtigen. Paradoxerweise ist es nämlich gerade die Sorge um das Wohl der ausländischen Kinder, mit der sie ihren Beschluss begründen. Ihre Argumentation: Von 1812 Kindern, die bis Ende Februar in Köln für den Besuch der fünften Klasse an den Realschulen angemeldet wurden, waren fast ein Drittel (574) Ausländer. Während Hauptschulen und Gesamtschulen jedoch für je sechzig ausländische Schüler eine zusätzliche Lehrerstelle erhalten, ist für die weiterführenden Realschulen und Gymnasien ähnliches nicht vorgesehen.

„Wir können und wollen nicht glauben, daß nur durch den Besuch unterschiedlicher Schulformen Ausländer erster und zweiter Klasse geschaffen werden sollen“, erklärten die Schulleiter. „Ausländische Eltern sind vielfach wegen ihrer mangelnden Deutschkenntnisse benachteiligt. Sie verlassen sich auf den guten Ruf der Realschule, nicht wissend, daß dort ihre Kinder nicht besonders gefördert werden können.“

Vor dem an schlimme Zeiten erinnernden Ausländerstopp-Beschluß verliefen die Fronten im schulpolitischen Grabenkampf denn auch anders. Die Gewerkschaft und die Ausländergruppen unterstützen nämlich die Forderung nach besserer Betreuung der ausländischen Schüler. „Sie mit einem spektakulären scheinbaren Aufnahmestopp durchzusetzen, halten wir aber für politisch gefährlich“, kritisierte die Gewerkschaft. „Diese Aktion führt zu Ängsten bei den Betroffenen, die nicht wissen, daß ein solches Vorgehen von den Initiatoren nicht ernst gemeint sein kann.“