Die Königin von Saba hat in Eselsmilch gebadet, Fritz J. Raddatz badet gerne in Dom Perpignan oder so, aber unsereins hat immer noch die Riesenflasche Fichtennadelextrakt vom letzten Taubstummen-Vertreterbesuch. Unsere Badepraxis ist also bescheiden, und wie sich das Bad in der Menge, dem die sauberen Politiker erfrischt entsteigen, eigentlich anfühlt, das können wir nur erraten. Es scheint der Eselsmilch entfernt ähnlich, ebenfalls nahrhaft, weniger fett, dafür ein bißchen glitschig und nicht weiß, sondern irgendwie gelb, fast dottergelb.

Wir können da, wie gesagt, nicht mitreden, obwohl wir uns gerne jener Zeiten erinnern, da man nicht nur Eierlikör trank, sondern sich auch mit Eiern den Kopf schamponierte, was man manchen Köpfen noch heute ansieht. (Daher auch der Name Eierkopf.) Offenbar ist die Konsistenz dieses Bades in der Menge dem Schwimmen nicht eben förderlich, jedenfalls fuchtelte der Kanzler bei seinem jüngsten Bad wie ein Nichtschwimmer.

Dies bringt uns zwanglos auf die Frage, ob sich nicht in solchen durchaus gefährlichen Fällen generell der Anleinzwang empfiehlt, den der Bundesgerichtshof in einem eben ergangenen Urteil für Rechtens erklärt hat. Die stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzbundes hat pflicht- und erwartungsgemäß entgegnet, der Anleinzwang sei „ganz gewiß nicht artgerecht“, weil diejenigen, die angeleint würden, sich „besonders aggressiv“ verhielten. Der Zwischenfall in Halle bestätigt diese These nicht. Der Kanzler wirkte, obwohl nicht angeleint und aus dem Kordon der Begleiter heraus sich ins Bad stürzend, durchaus aggressiv. Der Anleinzwang hätte in diesem Fall zweifellos beruhigend gewirkt.

Natürlich gibt es andere Möglichkeiten. In dem wunderbar ekelhaften Film „Pink Flamingos“ von John Waters zum Beispiel sehen wir eine unglaublich fette Darstellerin, die ein manisches Verhältnis zu Eiern hat und dem täglichen Besuch des Eiermanns entgegenfiebert. Die Dame ist nicht angeleint, aber sie sitzt in einem Laufställchen. Ob dies eine „artgerechte“ Haltung ist, wagen wir nicht zu entscheiden. Alles hängt davon ab, wie wir es mit der Haltung unserer Politiker halten. Anleinzwang beziehungsweise Laufställchenverwahrung und das Bad in der Menge schließen sich keineswegs aus. Die richtige Haltung erweist sich gerade im glitschigen Augenblick. Finis