ARD, Freitag, 10. Max "Hurra Deutschland"

Die Knautschfiguren-Serie mag nicht untergehen. Bis Juli ist erst mal Pause, dann öffnet der "Hurra-Club" aufs neue. Ob irgendwann, wie es der Titelsong verspricht, was los sein wird im Puppenclub, steht dahin. Einstweilen herrscht jene Stammtischjokus-Stimmung, um derentwillen manch einer seinen Stammtisch meidet und die Kiste anknipst.

Wenn ich Freitagabend zu Hause war, habe ich Hurra Deutschland meist geguckt, obwohl ich nach den ersten Folgen nichts erwartete. Aber ich mag die Puppen. Die Kohl-Puppe insbesondere mit ihrer rabiaten Bonhomie, die Vogel-Puppe mit der tollen Tolle, die Blüm-Puppe mit dem steilen Zinken und die Genscher-Puppe mit den – na was wohl? Schlappohren, sie alle haben Unterhaltungswert. Bloß die verkniffene Brandt-Puppe scheint mir arg mißglückt und sollte neu designed werden, die Geißler-Puppe ist entglitten, und Weizsäcker und Waigel sind nicht ähnlich und obendrein ohne Pfiff.

Aber die Stimmen! Jeden Freund der Papageienkunst müssen sie entzücken. Jetzt wissen wir, daß unser Kanzler seine abenteuerliche Stimmführung von seinem Parodisten gelernt hat, denn so zu reden, darauf kommt doch kein Mensch von alleine. Was das Wort "salbungsvoll" klanglich bedeutet, ist das Verdienst von Vogels akustischem Alter ego. Und wie ein hohles Hessisch tönt, weiß jeder dank Blüms Puppenstimme. Eine Freude ist es auch, sich vorzustellen, wie Genschers Parodist mit der Wäscheklammer auf der Nase übt.

Aber was die Puppen sagen – da hört man besser weg. Okay, die Komik soll grob sein, aber muß sie deshalb stumpf sein? Müssen die müdesten Kalauer, die ältesten Sparwitze wiederbelebt werden, nur weil eine Knautschpuppen-Serie auf derbe und populäre Komik festgelegt ist? Ich fürchte, daß da ein Mißverständnis vorliegt. Derbe Komik ist erwünscht. Aber auch sie kommt ohne Esprit nicht aus. Der Hanswurst haut dem Krokodil mit der Klatsche aufs Maul, und das wollen wir auch in der Puppenshow sehen. Der verbale Slapstick heißt Pointe, und die ist spitz statt platt.

Auch schlenkern, zappeln und fuchteln mir die Puppen zuviel; die Gesichter bringend rüber, nicht die Pfoten. Ferner scheint mir die Idee, den "Hurra-Club" für Prominente aus Sport und Show-Biz zu öffnen, nur bedingt glücklich. Offenbar kann man sich beim WDR nicht entscheiden, ob man mit der deutschen Version des Spitting Image die Welt des Fernsehens hopsnehmen will oder die der Politik.

Noch sind ja beide nicht völlig identisch. Die Tatsache, daß Politiker und Entertainer im Fernsehen auftreten, gibt ihnen nicht die gleiche Clubkarte, und Biolek und Erika Berger geistern ziemlich unmotiviert hinter den Kulissen der Bonner Kantine herum. Diese Kantine übrigens ist mein Lieblingsschauplatz. Wenn Kohl dort aufpaßt, daß er genug zu essen kriegt, und Möllemann mit der Klatsche aufs Maul haut, find’ ich das lustig. Schreckensschloß Lambsdorff hingegen sollten seine Erfinder möglichst bald einmotten.