Von Wolfgang Reischock

„Wir sind das Volk!“

„Wir sind ein Volk!“

„Wir sind ein dummes Volk.“

So fand ich es in großen schwarzen Buchstaben auf die dem Osten zugekehrte Seite eines Berliner-Mauer-Restes gepinselt. Und dann als vierte Zeile, etwas größer, hinzugefügt:

„Ich bin Volker.“

Der Spruch, der mich erst belustigte, dann nachdenklich stimmte, legt die alte Schulmeister-Frage nahe: Was will der Dichter uns damit sagen? War hier nicht auf den Punkt gebracht, was viele Ossis (denen die amtliche Bezeichnung „Bewohner der neuen ostdeutschen Bundesländer und des östlichen Teils von Berlin“ zu umständlich sein dürfte) empfinden?