Rebellenführer Jonas Savimbi will der erste frei gewählte Präsident Angolas werden

Von Bartholomäus Grill

Der Durchbruch gelang in Estoril. Viele Wochen und Monate hatten die Erzfeinde im fernen Portugal hart verhandelt, nun endlich wollten sie Frieden schließen, den Bruderkrieg in Angola beenden. Sie unterzeichneten ein vorläufiges Abkommen. Daheim in Luanda tanzten die Menschen auf den Straßen. Endlich Frieden – doch welch ein Frieden! Er dauerte, nach 16 Jahren Blutvergießen, 48 Stunden.

Die Unterschriften der Brüder waren kaum trocken, da schossen sie schon wieder aufeinander. Um die Stadt Luena werde gekämpft und um einige Dörfer in der Provinz Moxico, meldeten die Agenturen. Vierhundert schwerbewaffnete Regierungssoldaten seien nach einem Angriff der Unita-Rebellen ins Nachbarland Sambia geflohen.

"Das ist MPLA-Propaganda", knurrt Jonas Savimbi. Er ist der Chef der rechten Unita; hinter dem Akronym MPLA verbirgt sich der Feind, die marxistischen Machthaber in Luanda. Die jüngsten Frontberichte stammen allerdings von der sambischen Nachrichtenagentur Zana. Es wurde bislang nichts darüber bekannt, daß sie im Solde der MPLA steht.

Todesnachrichten aus der Heimat stören Savim- bis Goodwillreise durch Deutschland, und weil diese recht erfolgreich verlief, will er sie erst recht nicht hören. Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, dessen Angola-Politik er früher als "nicht weise", ja als "blind" kritisierte, hat ihn zwischen Terminen in Teheran und Washington erstmals empfangen. Gespräche mit Diplomaten, Experten, Presseleuten fanden statt. Und in München kam es wiederum zum politischen Rendezvous mit höchsten Vertretern der CSU und der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung. "Dr. Strauß war unser Freund", sagt Dr. Savimbi beinahe wehmütig und schaut aus seiner Suite im vierzehnten Stock in den Münchner Himmel und dann hinüber zum Maximilianeum.

Der verstorbene Ministerpräsident hatte den konservativen Buschkrieger nach der überlieferten Devise "Wir Schwarzen halten zusammen" unter seine Fittiche genommen. Kein Wunder, daß Savimbi in Bayern als "Prophet des Friedens" galt. Das aber will so gar nicht zur Einschätzung des Unita-Abtrünnigen Sousa Jamba passen, der den Guerilla-Chef einen "Schlächter mit Doktortitel" schimpfte. Oder zum Bannspruch des Europaparlaments, das Savimbis Truppe im Oktober 1986 wegen zahlloser Mordanschläge und Massaker, Hinrichtungen und Folterungen als "terroristische Vereinigung" einstufte.