Tranquilizer können die Ausschüttung von Sexualhormonen beeinflussen, meint Abraham Amsterdam vom Weizmann Institut in Rehovot/Israel. Der Hormonforscher war Hinweisen auf eine Wechselwirkung zwischen den weitverbreiteten Beruhigungsmitteln vom Typ der Benzodiazepine (Valium, Librium) und Sexualhormonen nachgegangen, weil andere Wissenschaftler in Zellkulturen, die aus dem Gewebe von Nebennieren beziehungsweise Hoden stammten, erstaunlicherweise „Empfangsstationen“ (Rezeptoren) für diese Beruhigungsmittel gefunden hatten. Amsterdam untersuchte daraufhin die Wirkung von Valium und einem verwandten Derivat auf bestimmte Zellen aus dem Eierstock (Granulosazellen). Zu seiner Verblüffung steigerten diese Zellen in einer Kultur ihre Produktion des Sexualhormons Progesteron um das Drei- bis Fünffache, sobald sie mit den Tranquilizern behandelt wurden. Progesteron ist ein wichtiger Vorläufer anderer Sexualhormone (Östrogene sowie Androgene) und beeinflußt eine Vielzahl von Abläufen vorwiegend in der weiblichen, aber auch in der männlichen Reproduktion. Manche Abkömmlinge des Progesterons sind für ihre beruhigende Wirkung bekannt. Abraham möchte nun in klinischen Versuchen klären, inwieweit sich die Ergebnisse aus den Zellkulturen auf den Menschen übertragen lassen, ob diese Wirkstoffe auch in vivo den Hormonstatus beeinflussen. Weltweit sind etwa 35 verschiedene Benzodiazepine als Arzneimittel im Gebrauch, jährlich werden mehrere hundert Millionen Rezepte für diese Pharmaka ausgestellt. HST

Im globalen Schwefelkreislauf ist ein wichtiges noch fehlendes Glied aufgeklärt worden. Britische Wissenschaftler haben Bodenbakterien entdeckt, die sich von Methansulfonsäure ernähren. Diese Säure ist ein weit verbreitetes Abbauprodukt von Dimethylsulfid (DMS), das seinerseits in gewaltigen Mengen vom Meeresplankton in die Atmosphäre abgegeben wird. Mehrere hundert Millionen Tonnen DMS gehen so jährlich in die Luft, das Gas spielt bei der Wolkenbildung als Kondensationskeim eine wichtige Rolle. Die Algen resorbieren den Schwefel ungewollt bei der lebenswichtigen Aufnahme von Molybdän, und zwar in Form von Sulfaten. Das überschüssige Sulfat wandeln sie um in DMS und „schwitzen“ es aus. Dessen Abbauprodukt Methansulfonsäure wiederum gelangt über die Luft in den Boden, wird dort von den Bakterien verspeist – und als Sulfat wieder ausgeschieden. Das Sulfat gelangt dann über Niederschläge ins Meer – der Schwefelkreislauf ist geschlossen. RHL