Zeichen der Zeit, gesehen in einem Merkblatt der 1. Luftlandedivision aus Bruchsal (Eichelbergkaserne): „Nicht mit der Hand in unübersichtliche Stellen greifen.“ Vor allem auch: „Rollen Sie tagsüber den Schlafsack zusammen. Schütteln Sie die Stiefel vor dem Anziehen aus.“ Die Bundeswehr lernt dazu: out of area, außerhalb des vertrauten Bündnisgebiets, lauern neue Gefahren, nicht zuletzt Schlangen und Skorpione in „leeren Behältern, Höhlungen, unter Steinen, Zweigen etc.“

Von einer „Klarstellung“ zum Grundgesetz ist immer weniger die Rede, die verfassungsändernde Mehrheit dazu im Bundestag ist außer Sichtweite. Doch dessen ungeachtet kommt der out of area-Einsatz deutscher Soldaten ganz gut voran. Man könnte einen Plan – „Operation kleine Schritte“ – dahinter vermuten, so als sollten sich Opposition und Öffentlichkeit allmählich daran gewöhnen.

Das Grundgesetz jedenfalls, das Einsätze außerhalb des Bündnisgebietes bis vor kurzem auch nach amtlicher Bonner Auffassung untersagte, erweist sich als dehnbar. Jedenfalls, soweit es um „humanitäre Zwecke“ geht.

Den Anfang machten Minenräumboote im Golf, „der Sündenfall“, wie deutsche Diplomaten in fröhlicher Selbstironie sagen. Es folgte der Hilfseinsatz für kurdische Flüchtlinge im Iran – dort verbietet übrigens die Verfassung die Anwesenheit ausländischen Militärs. Demnächst werden voraussichtlich Giftgasexperten der Bundeswehr im Auftrag der Vereinten Nationen in den Irak reisen, um bei der Kontrolle der Abrüstung mitzuwirken.

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Die bisherigen out of area-Einsätze hat Außenminister Hans-Dietrich Genscher nicht nur mitgetragen, er hat sich vielmehr, wie es ein Mitarbeiter ausdrückt, „an die Spitze der Bewegung“ gesetzt. Während sein Kollege Gerhard Stoltenberg die Minensucher im Golf besuchte, reiste Genscher in der vorigen Woche zu politischen Gesprächen nach Teheran und danach zu den rund 400 Helfern in Bakhtaran, nahe der irakischen Grenze. Allenthalben lobte er die iranische Flüchtlingshilfe über den grünen Klee, wohl wissend, daß die lokalen Behörden zunächst eher sabotierten als kooperierten. Doch daß die Fundis in Bakhtaran sich gelegentlich querlegen, sieht Genscher eher als Beweis für den neuen Öffnungskurs der Realos in Teheran. Prinzip Hoffnung – ein tragendes Element des realexistierenden Genscherismus.

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