Das war aber ein trauriger 1. Mai.

Drei Lichtblicke gab es aber doch.

Lichtblick Eins. Eine fröhliche Dame auf einem Balkon im 3. Stock, die im Regen stand und eine, die einzige, rote Fahne schwenkte. Nächstes Jahr sehen wir uns wieder, liebe fröhliche Dame. Wir können uns gar nicht verfehlen: Sie stehen auf dem Balkon und schwenken Ihre rote Fahne, und ich bin der ältere Herr im Heerwurm des Demonstrationszuges, und an den Füßen trage ich ...

... Lichtblick Zwei, meine rattenscharfen, oberaffengeilen, in Santa Monica (Kalifornien) selbst ausgesuchten und bezahlten schwarz-lila Basketballschuhe. Sie heißen L. A. GEAR mit Vornamen und mit Nachnamen – völlig zu Recht – CATAPULT, und eigentlich sind sie eher was für jugendliche Straftäter als für linke Traditionszausel. Wenn die fröhliche Fahnenschwenkerin im 1. Stock auf dem Balkon gestanden hätte und nicht im 3., wäre ich zu ihr hochkatapultiert und hätte ihr die Hand geküßt. Lichtblick Drei. Werner Loewe (SPD), der mir ein Bier ausgegeben hat. Außerdem wird er am 18. Mai 50 Jahre alt, und wenn ich das alles addiere, werde ich ihn wohl wählen.

Aber davon abgesehen, war es ein trauriger 1. Mai.

Deshalb werde ich diese Corner meinem Lieblingskommunisten widmen beziehungsweise seinem rechten Zeigefinger, den er nicht mehr hat. Mein Lieblingskommunist heißt Mike Perpich und war während der McCarthy-Ära Vorsitzender des amerikanischen Komsomol, also der Jugendorganisation der Kommunistischen Partei der USA. Außerdem stammt er von kroatischen Einwanderern ab (Perpich ist die mundgerechtere Version des etwas konsonantenlastigen Prpic), und weil er nun (1.) Kommunist war und (2.) fließend Kroatisch sprach, sollte er im II. Weltkrieg Verbindungsoffizier der US-Army zu den Tito-Partisanen werden, weshalb er (3.) streng nach Catch 22 auf den Philippinen eingesetzt wurde. Dort stand er nun mutterseelenallein und frierend auf einer Lichtung im Dschungel, das heißt er fror natürlich gar nicht, aber „frierend“ schreibt sich irgendwie besser hin, und plötzlich erschien ein japanischer Soldat auf der Lichtung. Da freute sich Mike natürlich, weil er nun nicht mehr allein auf der Lichtung war, und er hob die Rechte zum Gruß und sagte: „Hi, how’re ya doin’.“

Da schoß der Japaner, rannte weg, und Mike stand wieder allein auf der Lichtung, mit seinen Kroatischkenntnissen und mit einem Zeigefinger weniger.

Das ist Mike Perpich, ein großer (2,05 m) Kämpfer für Frieden und Freundschaft. Cheers, Mike, oder ziveli, mit Bourbon oder Sljivovica. Venceremos. Trotz alledem.