Das ist Chuzpe: Die Deutschen bezahlen 7,8 Milliarden Mark, um der heimkehrenden Roten Armee Wohnungen zu verschaffen – und nun geben die Sowjets die ersten Aufträge an finnische und türkische Firmen.

Normalerweise wäre gegen das Verhalten der Sowjets nichts einzuwenden. Staatsaufträge sollen an die günstigsten Anbieter gehen, auch wenn – etwa in Entwicklungsländern – das Geld dazu aus dem Ausland kommt. Aber die Verhältnisse sind nicht normal. Die Bundesregierung leistet Moskau keine Entwicklungshilfe, sondern komplimentiert auf eigene Kosten eine Armee aus dem Land, deren Regime es unter anderem zu verdanken ist, daß die ostdeutsche Industrie völlig am Boden liegt. So ist es legitim, wenn die Bundesregierung durch massiven politischen Druck die Aufträge nach Ostdeutschland zu lenken versucht. Allerdings mag die internationale Konkurrenz bei den Sowjetaufträgen durchaus eine heilsame Wirkung auf das Preisbildungsverhalten der deutschen Baufirmen bei den nächsten Ausschreibungen haben. Und damit hätte der ganze Rummel dann doch einen Sinn gehabt. pp