Die irakischen Kurden hoffen, daß die ausländischen Beschützer bleiben

Von Gisela Dachs

Batufa, im Mai

Der lange Marsch zurück führt wieder über die Berge. Der Schlamm auf den schmalen, steinigen Wegen des Cudi-Massivs hat sich binnen Tagen in heißen Staub verwandelt. Dort oben, so erzählt eine kurdische Sage, sei einst die Arche Noah gelandet. Heute ist das Gebirge irakisch-türkisches Grenzgebiet. Wochenlang haben Hunderttausende von kurdischen Flüchtlingen dort oben in Schnee und Regen ausgeharrt. Getrieben von der verzweifelten Hoffnung auf ein normales Leben, kehren nun die ersten Familien unter der glühenden Sonne in den Norden Iraks zurück.

Ein Marsch nicht ohne Würde: Erschöpft, aber erhobenen Hauptes betreten sie die stählerne Brücke, die über den Zap al-Kabir führt, trinken sie mit dankbaren Gesichtern aus Wasserbehältern, die britische Soldaten verteilen. Die Frauen kommen in ihren bunten, glitzernden Kleidern, die Männer tragen weite Hosen, die von breiten Stoffgürteln zusammengehalten werden. Fast alle halten schlafende Babys in den Armen oder führen kleine Kinder an der Hand. Eine alte Frau, die unter der Last ihrer wenigen Habseligkeiten auf dem Rücken zusammenzubrechen droht, schreitet barfuß voran. Ein kleiner Junge führt einen Esel, der mit Decken und leeren Plastikkanistern beladen ist, behutsam über den Fluß. Am anderen Ufer warten Lastwagen, auf denen die Kurden zu ihren Heimatdörfern gebracht werden sollen. Um ihnen den Rückweg in die von den alliierten Truppen gesicherte Schutzzone zu erleichtern, haben die Vereinten Nationen zwei "blaue Routen" eingerichtet. Raststationen bieten Versorgung und medizinische Hilfe auf der Reise.

Die Angst vor dem Giftgas

Sieben Stunden habe sie mit ihren drei Söhnen vom Lager bis hierher gebraucht, erzählt Bayan und deutet auf ihre geschwollenen Füße, die sie im Wasser kühlt. Still hocken die Kinder neben ihr. Sie freue sich sehr, sagt die 32jährige Mutter zuversichtlich, wieder nach Hause, nach Amadija, zurückzukehren. Wie es dort aussieht, wisse sie allerdings nicht. "Die irakischen Soldaten sollen alles geplündert haben."