Von Michael Pollan

Erst vor drei Jahren hat uns George Bush erzählt, er wolle als „Umwelt-Präsident“ in die Geschichte eingehen. Damals war er noch Kandidat. Viel hat er dafür bislang getan, abgesehen von seiner Katz-und-Maus-Politik in Sachen Angelgesetzreform.

Die Ausreden kennen wir längst: kein Geld in der Staatskasse; Umweltschutz ist nicht umsonst zu haben, und für die Wirtschaft wären neue Belastungen tödlich, jetzt in der Rezession. Außerdem lassen der saure Regen, das Ozonloch und der Treibhauseffekt seinen Chef-Berater John Sununu gleichermaßen kalt.

Noch immer aber bin ich bereit, den Präsidenten beim Wort zu nehmen, wenn er sich Sorgen macht um unseren Planeten. Daher habe ich ihm einen Vorschlag zu machen – eine einfache, effektive und symbolische Aktion, die keinen einzigen Dollar kostet, der Wirtschaft kein Opfer abverlangt und die sogar Mr. Sununus Unterstützung finden könnte.

Die Idee: Morgen weist George Bush die Parkverwaltung per Regierungserlaß an, den Rasen vor dem Weißen Haus herauszureißen. Ich höre schon den Aufschrei, der durch die Nation fährt – auch ich war zunächst entsetzt. Schließlich lieben wir gepflegte Rasenflächen. Die vor dem Weißen Haus kenne ich gut; mit meiner eigenen Hand bin ich durch den smaragdgrünen, puschligen Marinehaarschnitt gefahren und kann berichten, daß vor dem Anwesen 1600 Pennsylvania Avenue gewissermaßen das platonische Ideal von Rasen schlechthin zu finden ist.

Was nur recht und billig ist: Schließlich betrachten wir Amerikaner unsere Grünflächen vor dem eigenen Anwesen als eine Errungenschaft unserer Demokratie. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entfernten wir auf Drängen von Reformgärtnern wie Frederick Law Olmsted und Andres Jackson Downing die von ihnen als egoistisch und undemokratisch bezeichneten Mauern und Hecken, ein Relikt des alten Europas, und breiteten einen grünen Endlos-Teppich über unsere Grundstücke aus, der sich über Straßen und Highways fortpflanzte und allmählich den ganzen Kontinent bedeckte. Der Rasen eint uns alle, beschlossen wir, und seine Pflege wird seither als bedeutsames Ritual im gesellschaftlichen Konsens gewertet.

Nicht zu wählen gilt als weniger verwerflich, denn den Rasen nicht zu mähen. Hunderte von Gemeinden haben längst Geldstrafen für faule Rasenpfleger eingeführt. Der Rasen, das demokratische Symbol, mag seine Anziehungskraft ausüben – heutzutage jedoch hängt ein unakzeptables Umwelt-Preisschild dran. Unser Drang nach Perfektion verschlingt Unmengen von Wasser, menschlicher Energie, Ressourcen und Zeit (durchschnittlich gehen in den USA dreißig Stunden pro Kopf jährlich fürs Mähen drauf – Säuglinge, Frauen und Greise miteingerechnet). Hektar für Hektar frißt der amerikanische Rasen viermal soviel Pestizide wie gewöhnliches Ackerland.