Niemand aus der Führungsmannschaft des Daimler-Benz-Konzerns will es derzeit bestätigen, aber auch niemand dementieren: Der Vorstandsvorsitzende Edzard Reuter soll auch nach Erreichen des 65. Lebensjahres auf dem Chefsessel des größten deutschen Unternehmens bleiben. Reuters Vertrag läuft gemäß der üblichen Altersgrenze in rund zwei Jahren aus. Doch im Aufsichtsrat mehren sich die Stimmen derer, die Reuter länger an der Konzernspitze halten wollen. Das Hauptargument: Das selbstverordnete Ziel, "aus einem reinen Automobilunternehmen einen integrierten Technologiekonzern zu formen" (Reuter), ist noch längst nicht erreicht.

Vor allem Aufbau, Besetzung und Motivation des Managements stimmen noch nicht. Reuter am Dienstag dieser Woche selbstkritisch über seine Führungskräfte: "Manchmal haben sie durchaus das Gefühl, nicht ausreichend unterrichtet zu sein, nicht ausreichend einbezogen zu werden." Der rhetorisch äußerst begabte Daimler-Chef, der dem Konzern so schwierige und bisher ertragsarme Geschäftssparten wie Luft- und Raumfahrt, Rüstungsgüter und das Elektrounternehmen AEG angliederte, räumt selbst ein, daß die Hausaufgaben noch nicht gemacht sind: "Wir ringen um interne Akzeptanz, weil wir wissen, daß Überzeugung, nicht etwa Befehl oder Überredung, das entscheidende Fundament zu unseren weiteren Erfolgen ist."

Er ist einer der schnellsten, wenn es um neue Produkte geht, die den Finanzplatz Frankfurt und Deutschlands größte Bank stärken. Doch diesmal war Rolf E. Breuer, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, eine Spur zu langsam. Das von ihm betreute Projekt einer deutschen oder europäischen Rating-Agentur, die eine Einstufung der Kreditwürdigkeit von Schuldnern vornimmt, steckt noch im Planungsstadium, da hat ihm die Konkurrenz schon die Schau gestohlen. In dieser Woche kündigte Moody’s Investor Services die Gründung einer Agentur in Frankfurt an. Moody’s gilt zusammen mit Standard & Poor ’s als Marktführer in dem schwierigen Rating-Geschäft. Moody’s begründet seine neue Präsenz in Frankfurt mit dem rasant expandierenden Geldmarkt in Deutschlands Bankenstadt. Seit kurzem können nämlich auch private Schuldner Geldmarktpapiere mit kurzer Laufzeit, sogenannte commercial papers, ausgeben. Mit dem Angebot nimmt der Beratungsbedarf zu. Das hatte auch Breuer gesehen. Moody’s Direktor Jan Konstanty gelassen zu dem neuen Wettbewerber: "Es ist nicht leicht, mit der Qualität unserer Arbeit gleichzuziehen."

Keinen leichten Job tritt Jürgen Weber als Nachfolger von Heinz Ruhnau auf dem Chefsessel der Lufthansa an. Der 42jährige, der bisher für den Bereich Technik zuständig war, übernimmt den Posten in turbulenten Zeiten: Krise und Krieg am Golf haben der Staatslinie 1990 und in diesem Jahr insgesamt Verluste von über 700 Millionen Mark eingetragen – und der Wettbewerb der Lufttransporteure wird immer härter. Vor allem die hohen Personalkosten machen der Gesellschaft Sorgen. Hinzukommen die Schwierigkeiten mit dem Reservierungssystem Amadeus. Berichte, bis zum Jahr 2000 könnte das schlecht funktionierende Computernetz Kosten bis zu drei Milliarden Mark verursachen, bezeichnete Lufthansa in einer lahm formulierten Pressemitteilung als Spekulation. "Der tatsächliche Finanzbedarf wird weit darunter liegen", so die Staatslinie. Wie weit, läßt sie vorsichtshalber offen.

Der Brocken war zu groß für ihn: Am Kauf des Hollywood-Giganten Metro Goldwyn Mayer – United Artists (MGM) hat der dubiose italienische Raider Giancarlo Parretti sich offenbar verschluckt. Am 17. April mußte er auf Druck seiner Gläubiger als Präsident der MGM zurücktreten. Parretti damals: "Ich behalte die Aktien und die Kontrolle der MGM." Das stimmt heute schon nicht mehr. Bis zum 1. Dezember wird der in Italien mehrfach verurteilte Finanzier vierzig Prozent der MGM-Aktien verkaufen müssen. Dies hat die niederländische Tochter der Crédit Lyonnais durchgesetzt, bei der MGM und Parrettis Holding Pathe Communications mit 395 Millionen Dollar in der Kreide stehen. Baut Parretti bis zum genannten Termin die Kredite nicht auf 125 Millionen Dollar ab, kann die Bank sogar 51 Prozent der Filmgesellschaft mit dem Markenzeichen des brüllenden Löwen verkaufen.

Der Crédit Lyonnais wird die Geschäftsverbindung mit Parretti offenbar langsam unheimlich. In Paris soll sich schon Finanzminister Pierre Bérégovoy nach den Hintergründen dieses Engagements erkundigt haben. Präsident Jean Yves Haberer hat versucht, alle Verantwortung für die Operation auf die holländische Filiale abzuschieben. Deren Chef beteuert aber, in vollem Einvernehmen mit dem Mutterhaus gehandelt zu haben. Jedenfalls hat sich die niederländische Tochter inzwischen von ihrem Berater für das Filmgeschäft getrennt.

Rat und Verbindungen deutscher Manager sind in Großbritannien offenbar begehrt. Der Chemiekonzern ICI hat gleich zwei Deutsche in seinem Board, der Vorstands- und Aufsichtsratsfunktionen in einem Gremium vereinigt. Er holte sich kürzlich als erstes weibliches Mitglied eine Bankfrau, Ellen Schneider-Lenne von der Deutschen Bank, die auch im Board von Morgan Grenfell sitzt, der Londoner Merchant bank des Frankfurter Instituts. Vor einigen Jahren hatte ICI den Versicherungsmakler und Bundesschatzmeister der CDU, Walther Leisler Kiep, als nichtgeschäftsführendes Mitglied, eine Art Aufsichtsrat, angeheuert. Kiep, so heißt es bei ICI, "ist weiterhin Mitglied des Board", denn der in der Parteispendenaffäre wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu einer Geldstrafe von 675 000 Mark verurteilte Schatzmeister habe Revision gegen das Urteil angekündigt.