Als Bundesbankpräsident Karl Otto Pohl und Bundesfinanzminister Theo Waigel am vergangenen Wochenende aus Luxemburg zurückkehrten, da konnten sie einen glänzenden Erfolg vorweisen. Es war ihnen gelungen, Europa ein großes Stück voranzubringen. Was viele für unmöglich hielten, erscheint in greifbare Nähe gerückt: eine gemeinsame Währung Ecu.

Die beiden Deutschen, die lange Zeit als Bremser im europäischen Einigungsprozeß galten, haben je ein Dutzend Notenbankchefs und Finanzminister vom Weg der kleinen Schritte überzeugt. Niemand zweifelt daran, daß dies vor allem das Werk Karl Otto Pöhls war. Die Europäische Währungsunion könnte die Krönung seiner Karriere sein. Doch ausgerechnet jetzt denkt er an Rücktritt. Gerüchte, daß er im Herbst vorzeitig ausscheiden werde, wollte Pöhl nicht dementieren.

Über seine Stimmungslage kann man nur spekulieren. Gewiß spielt seine Enttäuschung über die Wirtschafts- und Finanzpolitik im Gefolge der deutschen Vereinigung eine Rolle. Seit Februar 1990 herrscht ein frostiges Klima zwischen Pohl und Helmut Kohl. Damals brüskierte der Bundeskanzler die Deutsche Bundesbank, als er ohne Rücksprache die Währungsunion mit der DDR verkündete. Pöhls Verärgerung verstärkte sich noch, als alle seine Warnungen vor einer ausschweifenden Haushaltspolitik ungehört verhallten. Die versprochenen Einsparungen blieben aus. Die Bundesländer brachten dann das Faß zum Überlaufen. Pöhls Vorschlag, durch eine Straffung der Bundesbank-Organisation viel Geld einzusparen, wiesen sie barsch zurück. Statt dessen sollen im Osten fünf zusätzliche Landeszentralbanken errichtet werden, die der Bundesbankchef für überflüssig hält.

Wenn Regierungen sich mit ihrer Zentralbank nicht vertragen, dann kann das auf Dauer nicht gutgehen. Ein Rücktritt Pöhls löst dieses Problem nicht. Er wird dem Ansehen der Bonner Regierung aber mehr schaden als ein Ei auf dem Revers des Kanzlers. per