Die Amerikaner hinterließen Panama viele unerledigte Aufgaben

Von Ulrich Schiller

Panama-Stadt, im Mai

Ende Juli soll in Miami der Prozeß gegen Manuel Antonio Noriega beginnen. Der ehemalige Diktator von Panama war lange Jahre lieb Kind von Pentagon und CIA. Nun wird er in Florida wegen internationalen Drogenschmuggels angeklagt. Ihm ist der Status eines "Kriegsgefangenen" zuerkannt worden, da seine Festnahme Ziel und Ergebnis einer Invasion gewesen war. Der nächtliche Angriff gegen die Streitkräfte Noriegas am 20. Dezember 1989 war der erste Krieg in der Präsidentschaft George Bushs. Während sich die Vereinigten Staaten längst mit den Folgen des zweiten Krieges schwertun, laboriert Panama noch immer an den Folgen der Operation "Gerechte Sache" herum.

In der Central Ave von Panama-Stadt drückt der Freund die Türverriegelung herunter. Die Straße ist das Einkaufsparadies der Unterklasse. Es wimmelt von Menschen, braunen und schwarzen. Die meisten hängen herum. Von 32 Prozent nach der Invasion soll die Arbeitslosigkeit zwar inzwischen auf 20 Prozent gefallen sein, aber auch dieser Prozentsatz ist hoch. "Eine Zeitbombe, auf der wir sitzen", sagt Roberto Eisenmann, der Verleger der größten Tageszeitung, La Prensa.

Einige Geschäfte sind immer noch mit Wellblech verrammelt – sie zeugen von Ereignissen, die sich tief in das Bewußtsein der Stadt eingegraben haben. Alle Geschäfte waren am 21. und 22. Dezember 1989 geplündert worden, bis auf die letzte Hose, bis auf den letzten Taschenrechner. In den reichen Vierteln organisierten die Leute hastig Bürgerwehren.

Niemand war gegen die Plünderungen eingeschritten. Amerikanische Soldaten schauten von ihren gepanzerten Fahrzeugen aus zu – zum Eingreifen hatten sie keine Weisung. Hatte niemand vorausgesehen, daß der amerikanische Angriff gegen die panamaischen Verteidigungskräfte Noriegas sofort auch den Zusammenbruch jeglicher Staatsgewalt bedeuten würde? "Doch", erklärt mit Nachdruck Alberto Conte, der Präsident einer Bürgerrechtsbewegung, die den gewaltlosen Widerstand gegen die Diktatur auf ihre Fahnen geschrieben hatte. "Wir haben den Amerikanern gesagt: Ihr müßt bei einer Invasion auch 2000 Mann Militärpolizei einfliegen. Die wurden uns versprochen. Aber niemand kam. Hatten wir nicht Anspruch auf Schutz, auf die Anwendung der Genfer Konvention?"