Über die CDU: „Nach einer schließlich bis fast auf das Äußerste durchgeführten Staatswirtschaft ist eine Partei des Individualismus eine ganz natürliche Erscheinung, und man sollte ihre Aussichten nicht unterschätzen.“ (21. Februar 1946)

Zu Besuch auf der Leipziger Messe: „Starke Unterschiede der Lebensauffassung sind schon vorhanden, noch stärkere können sich entwickeln. Trotzdem ist das natürliche Gefühl der Zusammengehörigkeit noch sehr stark. ... Der Weg nach drüben ist zwar eng geworden, aber noch nicht verschüttet.“ (16. Mai 1946)

Über die Hauptstadt Berlin: „Wer eigentlich hat in der Bundesrepublik über die nationalen Grundfragen zu bestimmen: Parlament oder Bundesregierung? Da bereiten mehrere der vom Volk gewählten Abgeordneten einen Entschluß des Bundestages vor. Der Beschluß will die Behauptung wahr machen, die Bundesrepublik vertrete das ganze Deutschland; er will den Anspruch auf Wiedervereinigung der Deutschen endlich auch von der anerkannten Hauptstadt der Deutschen und nicht nur aus einem rheinischen Winkel geltend machen. Diese Abgeordneten haben der CDU/CSU-Fraktion die mit angehaltenem Atem erteilte Zustimmung zu einem Gesetz abgerungen, das Berlin zur Hauptstadt der Bundesrepublik machen will.

Sie konnten es nicht mehr ertragen – und sie werden es auch in Zukunft nicht ertragen! –, daß mit sanftem Augenaufschlag Berlin die ‚Hauptstadt eines wiedervereinigten Deutschlands’ genannt wird, während man sich immer fester in Bonn eingräbt. Sie werden schwindlig, wenn der ‚heldenhafte Widerstand Berlins in der Blockade’ oder gar Berlin ,als Schaufenster der Nation‘ immer wieder gepriesen wird. Die Bundesrepublik als Warenhaus mit Berlin als Schaufenster, ist das heute des deutschen Knaben Wundertraum? ... Berlin wird auf der Tagesordnung bleiben, dafür werden wir sorgen!“ (6. Dezember 1956)

Über Konrad Adenauer: „Der Adenauer der Jahre, die vor uns liegen, wird nicht mehr der Kanzler sein, den wir 1957 wählten. Das Alter und die ungeheuerliche Arbeitslast haben selbst ihn schließlich verbraucht. Nach dem 13. August wurde ein ganzes Volk Zeuge, wie der große und von Millionen aufrichtig verehrte Mann in der schwersten Stunde der Bundesrepublik versagte.“ (6. Oktober 1961)

Über Adenauers Abschied: „So hart kann kein Herz sein, daß es nicht der Schmerz ergriff, als der Alte jetzt doch – sehr spät – den Platz verließ, den er so lange rechtens gehalten hat. Mancher Kummer der letzten Jahre ist vergessen. Adenauer braucht das Urteil der Geschichte nicht zu scheuen. Er war der Größte unserer Zeit.“ (18. Oktober 1963)

Über Rudi Dutschke: „Seine Freunde: kräftig, pausbäckig und nachlässig gekleidet die einen; sie reden nicht viel. Sprechen tun die Schmallippigen, durch wenig Schlaf und Essen Anämischen. Sie wissen viel und wissen es immer ganz genau.“ (15. März 1968)