Krisenherde in vielen Teilen der Welt bereiten dem Tourismus Probleme. Besonders betroffen sind Studienreisen-Spezialisten.

Vom Reiseboom der vergangenen Jahre besonders profitieren konnten die Anbieter von Studienreisen. Insider beziffern ihre Anhängerschaft mittlerweile auf etwa 200 000 Kunden pro Jahr. Inzwischen gibt es bei fast allen diesen Spezialisten lange Gesichter.

„So viele Probleme hatten wir in unseren Zielen noch nie“, klagt Horst Liebelt von Marco Polo Reisen. Angefangen habe alles vor zweieinhalb Jahren mit einem monatelangen Pilotenstreik in Australien. Dann seien die blutigen Unruhen in China gekommen. Seitdem rumore es ständig auf dem indischen Subkontinent. Südamerikareisen seien wegen der dort vorherrschenden Kriminalität und neuerdings der Cholera-Epidemie kaum noch gefragt. Und schließlich habe der Golfkrieg das gesamte Reisegeschäft vorübergehend zum Erliegen gebracht.

Unter den Nachwehen dieses Golfkrieges leidet der Tourismus weiterhin nicht nur in den direkt am Krieg beteiligten Ländern. Auch die klassischen Studienreise-Destinationen Ägypten, Türkei und Israel seien noch nicht wieder so gefragt wie vor Beginn der Golfkrise. Die Touristiker in den Ländern gehen davon aus, daß sich ihre Geschäfte frühestens in der kommenden Wintersaison normalisieren werden. Auch Italien, das bisher beliebteste Studienreisen-Land, könnte in der Gunst der Studienreisenden sinken. Inwieweit die Tankerunglücke vor der Küste auf den gesamten Tourismus durchschlagen könnten, wagt derzeit niemand zu prognostizieren.

„Uns bleiben eigentlich nur wenige Ziele, die wirklich gut laufen“, klagt auch Horst Kitzki von Ikarus Tours, die auf Reisen und Expeditionen in ferne Länder spezialisiert sind. Der südostasiatische und der pazifische Raum seien im Moment gefragt, dazu Südafrika und der nordamerikanische Kontinent. Aber nicht nur für das USA-Geschäft sieht Kitzki Schwierigkeiten am Horizont heraufziehen: „Der steigende Dollarkurs wird dafür sorgen, daß ein Großteil der Fernstudienreisen im kommenden Jahr mächtig teurer wird“, räumt er ein.

Um von plötzlichen Krisen nicht mehr so hart getroffen zu werden, erweitern die Studienreisen-Veranstalter seit einiger Zeit ihre Produktpalette. So bietet der Münchner Marktführer Studiosus seit dem vorigen Jahr erfolgreich Städtereisen an und will bald mit einer Preiswert-Studienreise neue Kundenschichten erschließen. Marco Polo setzt mittlerweile zusätzlich auf exklusive Badeurlaubsangebote, die mit den Studienreisen kombinierbar sind.

Und auch bei der TUI, die als einziger Großveranstalter bei den Studienreisen mitmischt, stehen Neuerungen für die Kunden an. Der neue Spartenleiter Ronald Wassmann: „Wir werden ab dem Winter mehr Städte-Studienreisen anbieten, andere Fernziele ansteuern und bei allen Touren weniger die antiken Sehenswürdigkeiten als vielmehr Land und Leute sowie den Erlebnischarakter einer solchen Reise in den Vordergrund rücken.“

Willi Bremkes