Das Oberste Gericht in Johannesburg hat die Bürgerrechtlerin Winnie Mandela wegen Entführung und Beihilfe zur Körperverletzung zu sechs Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Mitglieder der schwarzen Befreiungsorganisation ANC meinten sogleich voller Zorn: Dies sei ein hochpolitischer Schuldspruch, Rachejustiz gar, die eine der Prominentesten in ihren Reihen treffe.

Das Urteil ist hart, gemessen am Spielraum der Richter vielleicht übermäßig hart. Indes wäre eher bei einem allzu milden Verdikt zu vermuten gewesen, daß politische Motive die Richter leitete; denn das hätte bedeutet, sie wollten gerade in dieser kritischen, durch Mord und Terror erschütterten Wendezeit in Südafrika die Frau des Schwarzenführers Nelson Mandela verschonen. Winnie Mandelas Mythos ist nun endgültig dahin. Zur Erinnerung: Die „Mutter der Nation“ rief einst zur Lynchjustiz auf und scharte einen gefürchteten Schlägertrupp von Leibwächtern um sich. Hochnäsig und herrschsüchtig, verlor sie zusehends an Popularität; selbst die schwarze Opposition ging auf Distanz. Schließlich wurde sie nicht einmal mehr zur Präsidentin der ANC-Frauenliga gewählt.

Winnie Mandela, zweifellos eine große Freiheitskämpferin unserer Zeit, stieg der Ruhm zu Kopf. Sie ist gescheitert, nicht aber die Sache, für die sie stritt. ill