Der Konflikt zwischen Continental und Pirelli muß bald gelöst werden

Von Heinz-Günter Kemmer

Wer in dem geplanten Einzug von Guiseppe Vita in den Aufsichtsrat des deutschen Reifenkonzerns Continental einen ersten Erfolg des Großaktionärs Pirelli vermutet, der ist wohl auf falscher Fährte. Denn Vita ist zwar Italiener, sonst aber alles andere als ein Pirelli-Mann. Er steht dem Vorstand des deutschen Chemieunternehmens Schering vor und seine Ernennung ist – wenn man dem gerade ernannten Conti-Vorstandssprecher Wilhelm P. Winterstein folgt – eine Erfindung der Conti-Leute selbst.

Ein direkter Abgesandter von Pirelli wäre dagegen in Hannover nicht willkommen. „Wir können uns nicht vorstellen“, so Winterstein bei der Bilanzpressekonferenz von Conti, „daß wir einen echten Pirelli-Mann, also einen Konkurrenten im Aufsichtsrat haben.“ Möglicherweise muß deshalb der Veba-Vorstandsvorsitzende, Klaus Piltz, seine Amtsmüdigkeit überwinden und im Conti-Aufsichtsrat ausharren, damit erst gar keine weitere Vakanz entsteht.

Wer obendrein geglaubt hatte, mit der Entlassung des bisherigen Conti-Vorstandsvorsitzenden Horst W. Urban – ausgerechnet am Himmelfahrtstag – sei der Weg für eine Fusion von Conti und Pirelli geebnet worden, auch der hat sich offenbar getäuscht. Denn mit der gleichen Unbeirrtheit wie einst Urban kämpft auch Winterstein gegen eine Verflechtung der beiden Reifenkonzerne. Was den Journalisten der italienischen Zeitung II Sole, Luciano Barile, zu einer beinahe beschwörenden Frage veranlaßte: „Herr Urban ist gegangen, aber sein Geist ist noch da. Helfen Sie uns zu verstehen, warum Herr Urban gegangen ist.“

Keine Fusion

Da hatte Winterstein in der Tat seine Schwierigkeiten. Denn es ist offensichtlich nicht allein die schroffe Ablehnung des Fusionsbegehrens von Pirelli gewesen – „So nicht, Herr Pirelli“! –, die Urban das Genick gebrochen hat. „Es ist unheimlich schwierig, Ihnen diese Änderung zu erklären“, sagte Winterstein und fuhr fort: „Die Wellenlänge zwischen Herrn Urban und dem Aufsichtsrat war nicht immer die gleiche, und sie war nicht immer glücklich.“