Erstmals veranstaltete das größte deutsche Reiseunternehmen TUI in Zusammenarbeit mit Naturschutzverbänden ein Umweltseminar. Fünf Tage lang trafen sich Vertreter des Veranstalters, Naturschützer und zahlende Gäste auf der Nordseeinsel Borkum.

Diese Zusammenarbeit eines Wirtschaftsunternehmens mit unabhängigen Umweltschutzverbänden ist jedoch nicht Ausdruck einer neuen, umweltorientierten Gesamtstrategie des Unternehmens. Sie kam durch persönliche Kontakte von TUI-Mitarbeitern mit der niedersächsischen Landeszentrale des Deutschen Naturschutzbundes zustande.

Das erste gemeinsame Seminar fand auf dem Feuerschiff Borkumriff statt, das 1988 ausgemustert wurde und heute als Technisches Museum sowie als Informationszentrum für den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer im Inselhafen liegt. Die Trägergemeinschaft des Schiffes will auf der Borkumriff ein von der niedersächsischen Landesregierung anerkanntes Bildungszentrum einrichten.

Im Laufe der fünf Seminartage unternahmen die Teilnehmer mit den Wissenschaftlern Exkursionen in den Lebensraum der Vögel, erkundeten die Landschaft und die Pflanzenwelt. Die Ausflüge wurden durch Vorträge vorbereitet und ergänzt. Auch praktische Laborarbeit, bei der vor allem Wasserproben analysiert wurden, stand auf dem Programm.

Das Seminar sei, so eine Mitarbeiterin der TUI, ein Prototyp. Man wollte sowohl die Zusammenarbeit mit den Umweltschutzverbänden als auch die Resonanz bei den Urlaubern prüfen. Die ersten zwölf Teilnehmer beurteilten die fünf Tage durchweg positiv. Dies lag vor allem an der qualifizierten inhaltlichen Gestaltung durch die Mitarbeiter der Umweltschutzverbände und des Informationszentrums. Ein Großteil der Teilnehmer, die durch Anzeigen eines Reisebüros auf die ungewöhnliche Pauschalreise aufmerksam wurden, erfuhr erst auf der Insel von der TUI als Mitveranstalter.

Auch der neue Umweltbeauftragte der TUI, Michael Iwand, war zur Premiere nach Borkum gekommen; als kritischer Gast, wie er betonte. Sein Urteil über das Seminar fiel eher zurückhaltend aus. Es sei kein spektakuläres Projekt, möglicherweise jedoch ein Anfang. „Wenn ein spürbares Interesse an solchen Angeboten da ist, können wir darauf reagieren“, antwortete Iwand auf Fragen nach weiteren Umweltseminaren. Als mögliche Ziele solcher Reisen kämen nach seiner Meinung neben dem Nationalpark Wattenmeer auch, durchaus andere Naturschutzgebiete in der Bundesrepublik in Frage.

Ein zweites Seminar findet vom 27. September bis zum 2. Oktober dieses Jahres auf Borkum statt. Es kann in jedem TUI-Reisebüro zum Preis von 599 Mark an gebucht werden.