Dank an Rudolf Serkin

Überschrift zu einer Kritik von Joachim Kaiser über ein Beethoven-Konzert des Pianisten (1987)

Dank an Rudolf Serkin

Überschrift zum Nachruf Joachim Kaisers auf den Pianisten (1991)

Die Zofe Werner

Jeder Mensch hat ein wirkliches Leben – aber das ist uninteressant. Doch jeder wirkliche Mensch spielt im Laufe seines wirklichen Lebens unzählige Rollen, und dabei kann er sein Leben verwandeln in einen Theatertraum – ein schönes Kostüm genügt zu dieser Metamorphose, oder ein angeklebter Bart, oder auch nur eine schöne Lüge. Und dieses falsche Leben ist dann das wahre, das einzig interessante. So vielleicht läßt sich, in wenigen und schlichten Sätzen, das ehemals skandalöse Theater des Dichters und Diebes Jean Genet beschreiben. Genets Stück „Die Zofen“ ist ein Frauenstück, ein blasphemischer Dreigesang von Claire, Solange und der Madame. Logisch, daß Genet es von Männern gespielt sehen wollte. Logisch auch, daß jetzt das Hamburger Thalia Theater eine Inszenierung mit drei männlichen Schauspielkünstlern ankündigt, mit Jan Josef Liefers, Heikko Deutschmann und Werner Schroeter. Schroeter? Jetzt wird es einfach kompliziert. Denn nicht nur wird sich Werner Schroeter (bisher Regisseur) am 9. Juni tollkühn in die Rolle des Schauspielers stürzen, er tut dies auch noch in der Regie von Alberte Barsacq (bisher Schroeters Bühnenbildnerin). Am 9. Juni spätestens werden wir dann wissen, ob Schroeter der Genetsche Rollentausch gelingt. Die nach seinen letzten Theaterarbeiten vielleicht noch interessantere Frage, ob Werner Schroeter „wirklich“ (aber was heißt „wirklich“) ein Theaterregisseur ist oder diese Rolle „nur“ (aber was heißt „nur“) betörend spielt, wird weiter auf eine Antwort warten müssen. Oder wird bei der Hamburger Produktion „in Wahrheit“ doch wieder Herr Werner Schroeter den Herren/die Herrin spielen? Arme Alberte oder Die Zofe will Vormund sein? Oder handelt es sich bei der selbstverständlich wahren Pressemitteilung des Thalia Theaters um eine schöne, eine wahrhaft genetsche Lüge? Bevor wir in den existentiellen Abgründen all dieser Fragen vollends versinken, beenden wir schnell den Beitrag. Und warten auf den Juni und auf Genet.

Hohlzeit

An diesem Freitag hat im Wiener Burgtheater Claus Peymanns mit Spannung erwartete Inszenierung von Goethes „Clavigo“ Premiere. Statt einer Rezension und aus leider sehr aktuellem Anlaß zitieren wir noch einmal einen Satz aus einem Interview des Wiener Burgtheaterdirektors mit einem Hamburger Wochenblättchen: „Ich spielte Fußball als Knabe, und zwar glänzend. Ich war ein enorm schneller Läufer und konnte mit beiden Beinen schießen.“ PS. Hiermit ist unsere leider vollkommen erfolglose Serie „Jürgen, Claus und die Brustwarze“ unwiderruflich beendet.