Bienen ohne Anschluß

So mancher Geschäftemacher hat, zumal mit Westprodukten, aus der deutschen Einheit Honig gesogen. Im Regen stehen oft die Ostdeutschen – wie auch das Beispiel der Ostberliner Imker beweist. Seit mit der DDR auch der lukrative Aufkaufpreis von zuletzt vierzehn Mark für das Kilo Honig verschwand, blieben von ehemals 7000 Bienenvölkern nur noch 1800 in Stock und Arbeit. Zwei von dreien der einst 500 Imker, so zählt der vor Jahresfrist gegründete Ost-Verband, haben ihren Nebenerwerb inzwischen eingestellt. Zurück ließ der Markt eine Schar von Idealisten, die sich nun auf ein vertrautes, also auf „ein richtig schönes Vereinsleben“ freuen. Man bleibt vorerst unter sich: Ein Anschluß an den Westberliner Verband, so ziehen sie ihre Schlüsse aus der allerjüngsten deutschen Geschichte, komme nicht in Frage – allenfalls wolle man langsam und gleichberechtigt zusammenwachsen. Daß ausgerechnet ein Westberliner Gericht wegen angeblicher Formfehler den Ost-Verband nicht anerkennen will, ist dabei nur ein zusätzlicher Stachel im Fleisch der Bienenfreunde.

Manche mögen’s kalt

Wenn die Regierung Schamir in Israel nicht dringend auf die Unterstützung der streng religiösen Parteien angewiesen wäre, dann würden manche überzogenen Forderungen von Geistlichen allenfalls Heiterkeit auslösen. Wie die Dinge aber liegen, finden sich ihre Vorstöße gewöhnlich nicht im „Vermischten“ der Gazetten, sondern im Politikteil. So auch der Bericht über die helle Empörung von drei Rabbinern aus Bnei Brak. Sie verlangen von den Pizzerias der Kleinstadt, nicht länger heiße Pizzen anzubieten. Nicht etwa unkoschere Zutaten schürten ihre Bedenken, vielmehr die Tatsache, daß „junge Männer mit jungen Frauen zusammenkommen, um heiße Pizzen zu essen“. Darüber, ob dies bei andern Gerichten oder gar bei kalten Pizzen anders wäre, schweigen sie sich indes aus.

Neue Verkündigung

Die Gemeinde der neokonservativen Hochkirche im Vereinigten Königreich wartet gespannt auf ein neues Buch der Verkündigung: Nachdem Margaret Thatcher aus den Fluren von 10 Downing Street vertrieben wurde, trägt sich die Lordsiegelbewahrerin des puristischen Ordo-Liberalismus und Atlantizismus mit dem Gedanken, ihre Memoiren zu schreiben. Ein Ghostwriter muß also her. Im Gespräch sind ein ehemaliger Redenschreiber, eine Edelfeder des Daily Telegraph, ein politischer Schützling, nämlich der Juniorminister für Rüstungsbeschaffung Alan Clark. Doch die rechte Wahl wäre wohl der erzkonservative Historiker und Publizist Paul Johnson. Der wiederum ist freilich gleich so brillant, daß auch ein Millionenhonorar ihn nicht bewegen wird, in fremdem Namen eigenes Glaubensgut zu verbreiten. Da hatte der liebe Gott es schon leichter, als es um die Abfassung der Bibel ging: kein Prophet, kein Evangelist, der sich ihm hätte versagen können.