Nur einen Monat hat es gebraucht, bis Rudolf Scharping in Mainz zum Chef einer sozial-liberalen Koalition gewählt wurde. Doch noch erstaunlicher ist es, wie schnell die FDP es vermochte umzuschalten – war sie doch mit einer Koalitionsaussage zugunsten der CDU in den Wahlkampf gezogen. Ein Schuft, wer Böses dabei denkt: Schließlich hatte die FDP für die Erneuerung der konservativ-liberalen Koalition gestritten; nur der Wähler hat einen Strich durch diese Rechnung gemacht.

Just an diesem Punkt werden Erinnerungen an das Jahr 1982 wach. Auch damals wollte die FDP sich für eine Landeskoalition nach Bonner Muster verkämpfen, für das sozial-liberale Bündnis in Hessen – in der heimlichen Hoffnung, der Wähler möchte sein Veto gegen die Kanzlerpartei aussprechen, auf daß die FDP auch in Bonn neue Wege gehen könne.

Damals überstürzten sich die Dinge; sie gerieten außer Kontrolle. Jetzt könnten sie sich sogar überschlagen, ohne daß in Bonn ein vorzeitiger Wechsel möglich wird. Im Lande kann jeder mit jedem: rot-schwarz in Berlin, rot-grün in Hessen und Niedersachsen, schwarz-gelb da und dort, rot-gelb in Hamburg und in der Pfalz. In Brandenburg gar leuchtet die Ampel rot-gelb-grün. Doch in Bonn kann keiner ohne die CDU. So viel Offenheit, so viel Geschlossenheit – in Deutschland ist alles locker, und doch so wenig los. R.L.