Der letzte Linke heißt Rudi. Als ich Rudi an der Ecke Gorch-Fock-/W alter-Flex-(früher: Rosa-Luxemburg-/Karl-Liebknecht-)Straße stehen sah, hielt der einsame Demonstrant ein Transparent hoch, auf dem stand: „Freiheit für die Unterdrückten in...“

Als er mich sah, rief er glücklich: „Du kommst wie gerufen. Ich brauche dich nämlich dringend.“ Auf meinen fragenden Blick hin ergänzte er: „Als Zeugen. Wenn meine Gegner, die Rechten, mal wieder wissen wollen, wo ich war, als irgendwer, irgendwo unterdrückt wurde. – Wo also war ich am 15. 5. 1991 um 14.30 Uhr?“

„Leibhaftig hier an dieser Ecke!“

„Und was tat ich da?“

„Du fordertest Freiheit für die Unterdrückten in... Ja, wo eigentlich?“

„Wo immer Menschen gerade unterdrückt wurden auf der Welt. Ich demonstriere für die Serben in Kosovo und Kroatien, für die Kroaten in Serbien, für die Türken in Bulgarien und für die Kurden in der Türkei, für die Palästinenser in Israel und für die Juden in der UdSSR.“

„Und deshalb stehst du dir hier im Regen die Beine in den Bauch?“