VOR 100 JAHREN

Noch vor 25 Jahren glaubten die Aerzte selbst, daß man schlechtes Trinkwasser durch einen geringen Zusatz von übermangansaurem Kali und dergl. Substanzen verbessern könne, denn es war die Meinung verbreitet, daß die damals unbekannten Krankheitserreger von einer sehr zarten Organisation seien. Heute wissen wir, daß diese Krankheitserreger, die Bakterien, gar nicht so zart sind und daß man Wasser, um sie zu tödten, so mit chemischen Mitteln durchsetzen müßte, daß auch der Mensch in den meisten Fällen vergiftet werden würde.

Die Medizin hat ihren Irrthum rückhaltlos eingestanden, aber im Volke hat sich noch eine ganze Anzahl solcher Mittelchen zur Verbesserung des Trinkwassers erhalten. Man setzt demselben ein bißchen Rothwein, Cognak, Fruchtsaft oder dgl. zu und glaubt, die schädliche Wirkung eines Wassers damit aufgehoben zu haben. Mit nichten! Auch das Filtrieren nutzt nichts. Es giebt nur ein zuverlässiges Mittel: man muß das Wasser kochen, wirklich und längere Zeit, etwa eine halbe Stunde.

Abgekochtes Wasser schmeckt nun aber nicht gut. Prof. Rosenthal giebt folgendes Rezept zur Verbesserung des Trinkwassers ab: „Gedörrtes Obst, am besten sogenannte Birnschnitze (etwa 50 g auf ein Liter) werden im Wasser vollkommen weich gekocht bis zum vollständigen Zerfall. Man läßt dann das Wasser durch ein feines Haarsieb oder leinenes Tuch durchseihen und in verschlossenen Gefäßen abkühlen. In vielen Familien ist das schon eingeführt; jung und alt trinkt es gern und zieht es dem oft sehr zweifelhaften Brunnenwasser vor.“

Die Vertheilung Afrikas

Als zu Anfang der achtziger Jahre Stanley die ersten Grundsteine zum Aufbau des künftigen Kongostaates mit der Behauptung gelegt hatte, ein zweites Indien dem ausfuhrbedürftigen Europa erschlossen zu haben, da erscholl in Deutschland der schmerzliche Ruf: „Jetzt ist die Welt ganz vertheilt und wir stehen wieder mit leeren Händen und Taschen da!“

Kaum aber hatte Lüderitz ungeheure Strecken, wenn auch scheinbar wüsten Landes, durch Verträge mit eingeborenen Häuptlingen erworben, kaum hatte das Deutsche Reich zu allgemeiner Ueberraschung seine Flagge in Togo und Kamerun gehißt, da zeigte es sich, daß noch weitausgedehnte Gebiete innerhalb des afrikanischen Festlandes unberührt und herrscherlos dalagen und daß einzelne Sitze an der Küste, die von politischer Bedeutung oder von Wichtigkeit für den Handel waren, nur den Schein einer Herrschaft bis in das Innere verbreitet hatten.

Dem Vorwärtsdrängen von den Gestaden des Atlantischen und Indischen Oceans aus gab die Berliner Kongokonferenz von 1885 eine vorläufig geregelte Richtung, indem sie das Hinterland dem Besitzer des Küstenstriches zuerkannte, zugleich aber die Besitzergreifer mit Einsetzung einer wirksamen Behörde belastete. Am raschesten und tiefsten griff darauf der Entdeckungszug des deutschen Forschers Peters in den dunklen Welttheil hinein; durch die Zertrümmerung der Scheinherrschaft des Sultans von Sansibar schuf er freie Bahn für weitblickende Kolonialunternehmungen...