Unauffällige Zusammenarbeit

/ Von Thomas Hanke

Für viele Kritiker sind sie nur ein hohles. Medienspektakel ohne Sinn und Zweck: die jährlichen Gipfeltreffen der sieben reichsten Industriestaaten der Welt, kurz G-7 genannt. Michail Gorbatschow denkt da anders. Der Kreml schickte jetzt einen Brief mit der Bitte um Hilfe an die G-7 und bot im Gegenzug radikalere Reformen in der Sowjetunion an.

Auch ohne Gorbatschows aufsehenerregenden Schritt wäre sein Land wohl zu einem der wichtigsten Themen des Weltwirtschaftsgipfels vom 15. bis 17. Juli in London geworden. Seit dem letzten Gipfel im Vorjahr in Houston überlegen die Sieben, ob und wie sie der Sowjetunion helfen sollen. Bundeskanzler Helmut Kohl hatte sich in Houston mit seinem Vorschlag, rasch massive Finanzhilfen zu gewähren, nicht durchgesetzt. Man gab lediglich eine Studie über die notwendigen Wirtschaftsreformen in Auftrag, die der Internationale Währungsfonds, die Weltbank und die Osteuropabank auch bald vorlegten.

Seitdem passierte nichts. Die Mehrheit der Siebener-Gruppe fühlte sich durch die Untersuchung in ihrem Urteil bestärkt, daß alle Hilfe umsonst sei, solange die Sowjetunion nicht klare Beschlüsse über eine fundamentale Wirtschaftsreform fasse. Die Bundesregierung blieb allein mit ihrer Auffassung, ein wirtschaftlicher und politischer Zusammenbruch der Sowjetunion sei viel zu gefährlich, als daß man die Hände in den Schoß legen könne.

Allerdings meint auch sie mittlerweile, man solle nicht mit Zahlungsbilanzhilfen anfangen, sondern mit technischer Unterstützung und Beratung für den Übergang zur Marktwirtschaft. "Es genügt nicht, eine Preisreform zu fordern, vielmehr müssen bis auf die betriebliche Ebene hinab konkrete Handreichungen geboten werden", meint Horst Köhler, Staatssekretär im Finanzministerium und Helmut Kohls Sherpa, sein persönlicher Beauftragter für die Wirtschaftsgipfel.

Auch von diesem bescheideneren Ansatz haben die Deutschen die anderen Gruppenmitglieder nicht überzeugen können, als sich die Sherpas Anfang Mai in Hongkong zur Vorbereitung des Juli-Ereignisses trafen. Ungeklärt ist auch nach wie vor, ob Gorbatschow persönlich zum Gipfel eingeladen wird. Schon vor einem Jahr hatte er selbst dies behutsam angeregt. Bei Margaret Thatcher, damals noch britische Regierungschefin, fiel die Idee auf fruchtbaren Boden. Doch noch haben die Sieben sich nicht geeinigt, ob man den sowjetischen Staatschef vor, während, nach dem Gipfel oder überhaupt nicht nach London einladen soll.